ARBEIT & VERGNÜGEN, GESELLSCHAFT, NACHBARN

AUS DEM BUCH HERAUS

Es ist eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art: „ Man muss sich darauf einlassen, dass hier nicht einfach Mann auf Frau trifft, sondern die Begegnung erst einmal nur in Gedanken stattfindet.“ Mit diesen Worten beschreibt die junge Würzburger Autorin Julia Hanel ihren ersten Roman „Zwei fürs Leben“.

Die Geschichte handelt von Anni und Ben, die nach einem
Unfall im Krankenhaus liegen und plötzlich die Stimme des jeweils anderen im Kopf hören. Doch Nachwuchsautoren brauchen heutzutage allerdings mehr als eine gute Story. Sie müssen sich „vermarkten“ können – und das bedeutet manchmal auch, sich durchzubeißen. Autorin Julia erzählt von Herausforderungen, die Nachwuchsautoren heutzutage meistern müssen und wie sie mit dem nötigen Biss ihr Debüt-Werk erfolgreich veröffentlichen konnte.

„Wer Lust hat, ein Buch zu schreiben, sollte es einfach tun. Ohne sich vorab unendlich viele Gedanken zu machen, was danach passiert. Das kann man ohnehin nicht planen“, rät Julia allen Nachwuchsschriftstellern. Ist der Anfang erst gemacht, geht es an die eigentliche Arbeit – denn nicht nur Kreativität ist gefragt, sondern auch Disziplin. „Ein Roman schreibt sich eben leider nicht in zwei Tagen. Man muss bereit sein, dafür Zeit und Geduld aufzubringen und dran zu bleiben. Das bedeutet manchmal auch, sich ein bisschen durchzubeißen.“

EIN NETTES PLÄTZCHEN UND EIN LAPTOP
Wie groß der zeitliche und organisatorische Aufwand ist, hängt ganz vom geplanten Genre ab. Wer einen historischen Roman schreibt, muss ausreichend Zeit für Recherche einplanen. Bei Julia läuft das ganze ein bisschen anders: „Ich schreibe einfach aus dem Bauch heraus. Und dafür brauche ich nur ein nettes Plätzchen und meinen Laptop“. Schreiben war schon immer ein ganz großer Teil im Leben der gebürtigen Ansbacherin. Das fing bereits in der Grundschule an: „Mit Abenteuergeschichten, über die ich mich heute schlapp lache – und ersten Schreibversuchen während der Gymnasial- und Studienzeit. Für mich war irgendwie immer klar, dass ich irgendwann mal ein Buch schreiben möchte.“ Nach ihrem Studium der Diplom-Germanistik/Literaturvermittlung in Bamberg absolvierte die 28-Jährige zunächst ein Volontariat bei einer Tageszeitung in Fulda, wo sie anschließend als Redakteurin tätig war. Heute arbeitet Julia im Bereich Öffentlichkeitsarbeit des Diözesancaritasverbands Würzburg, hat das Schreiben allerdings nie aufgegeben.

VOM VERLEGEN UND VERKAUFEN 
Wie schwer es junge Schreibtalente heute haben, kommt sehr darauf an, wie und wo man veröffentlichen will. „Grundsätzlich waren die Möglichkeiten wahrscheinlich noch nie so groß wie in unserer Zeit“, so Julia über das heutige Autorenbusiness. Durch das „self-publishing“ gibt es Autoren, die Millionen Bücher verkaufen, obwohl sie in keiner typischen Bestsellerliste auftauchen. Und es gibt Autoren, die über das Internet zu Megastars wurden. So wie die „Shades of Grey“-Autorin E. L. James. Wenn man allerdings ganz klassisch in einem großen Verlag veröffentlichen möchte, ist es wahrscheinlich schwerer denn je, weil es sich viele Verlage nicht mehr leisten können, auf junge, unbekannte Autoren zu setzen.

„Ich hatte da großes Glück mit Ullstein.“ Ihr fertiges Manuskript schickte die 28-Jährige an verschiedene Verlage, woraufhin sie nach kurzer Zeit die Zusage von „Ullstein Taschenbuch“ erhielt. Seit dem 8. Juni findet man „Zwei fürs Leben“ in allen Buchhandlungen. Julias zweiter Roman ist schon so gut wie fertig und erscheint im Sommer oder Herbst 2016.
Text: Jasmin Schindelmann