GESELLSCHAFT, SEHEN-HÖREN-FÜHLEN

Integration geht durch den Magen

Gerichte mit Geschichte
Wie funktioniert interkulturelles Zusammenkommen am besten? Ganz klar, natürlich über Essen. Deshalb treffen sich seit über einem Jahr regelmäßig geflüchtete und Würzburger Jugendliche zum gemeinsamen Kochen. Daraus ist nun ein eigenes kleines Kochbuch entstanden – „Gerichte mit Geschichte“.

Esseyas aus Eritrea, Nabi aus Afghanistan, Hoshank und Amar aus Syrien sowie Mahsa und Jalil aus dem Iran – sie alle dirigierten an „ihrem“ Kochabend rund 20 Beiköche durch die Küche, erteilten Anweisungen zum Schnippeln, Rühren und Kneten. Sie alle sind Teil des Projekts „Integration auf Augenhöhe“ des Würzburger Vereins „Da sind wir!“. Sogenannte UMFs (unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) und deutsche Schüler treffen sich dabei regelmäßig, um gemeinsame Aktivitäten zu starten und Freundschaften zu schließen. Ein Highlight für alle war dabei von Anfang an: der Kochabend. Aus diesen Abenden ist nun ein ganz besonderes Buch entstanden, „Gerichte mit Geschichte“: Auf 44 Seiten finden sich die Rezepte zu allen zubereiteten Gerichten sowie persönliche Geschichten und Anekdoten der jugendlichen Köche und Beiköche.

Wie alles begann

„Irgendwann im Frühjahr 2015 hieß es: Wer mag, kann nachher in die Turnhalle gehen, da stellen Euch zwei Leute so ein Flüchtlingsprojekt vor“, erinnert sich Feli, die damals die 10. Klasse des Siebold-Gymnasiums besuchte. „Wir sind da natürlich alle hin, weil man dann nicht zum Unterricht musste …“. In der Turnhalle warteten Judith Aßländer, 1. Vorsitzende des Vereins „Da sind wir“, und ihr Mann Johannes auf die Schülerinnen und Schüler. Sie erzählten von den Schicksalen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Würzburg und luden zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten mit ihnen ein. „Jugendliche brauchen kein großes Gerede und keine theoretischen Überlegungen, sondern einfach Action“, meint Judith, die selbst Mutter von vier Jungs zwischen fünf und achtzehn Jahren ist. Integration heißt für sie und ihre 15 Vereinskollegen „einfach machen“. Mit Erfolg: Fast 160 Geflüchtete und Würzburger Kids haben bis heute „einfach mitgemacht“.

Eine Prise Heimat 

Neben sportlichen Aktionen wie Fußballspielen, Kanufahren und Skaten war das Kochen in großer Runde von Anfang an besonders beliebt bei allen Jugendlichen. Zu Beginn beschränkte sich die Menüauswahl allerdings etwas: Es gab Kürbissuppe in unzähligen Variationen – weil sie leicht zu kochen und preiswert ist. Doch irgendwann wurde es den Geflüchteten zu langweilig: Sie hatten Lust, mit ihren neuen Freunden aus Deutschland Gerichte aus der Heimat zu kochen. Und so ging es an die verschiedenen Nationalgerichte, die die Flüchtlinge mit viel Liebe und traditionellen Techniken zubereiteten. Fehlen durften dabei natürlich weder exotische Zutaten noch Gewürze – die sich für die deutschen Jugendlichen zumeist als ziemlich scharf entpuppten. Dazu erzählten die geflüchteten Kids natürlich auch einiges zu den Speisen an sich, erinnerten sich aber auch an ihre Kindheit, an witzige Anekdoten bei Familienfeierlichkeiten und an die Besonderheiten der eigenen Kultur.

Gerichte mit Geschichte

Im Austausch mit der Ökokiste Schwarzach entstand schließlich die Idee, all dies in das Kochbuch „Gerichte mit Geschichte“ zu packen. Unterstützt von einer Grafikerin, einer Texterin und einer Lektorin trugen die Beteiligten die Rezepte und Geschichten zusammen, die dann mit Bildern von den Kochabenden angereichert wurden. Der „DankÖ-Preis“ der Ökoland Nord GmbH machte dann den Druck von 200 Exemplaren möglich. Von dieser Erstauflage sind aktuell nur noch wenige Restexemplare übrig. Aber der Verein sucht bereits fleißig nach Wegen, das Buch in einer höheren Auflage nachdrucken zu lassen. Schön wäre es, wenn dies noch rechtzeitig vor Weihnachten gelingen würde. Unverbindliche Vorbestellungen können schon einmal auf www.da-sind-wir.de abgegeben werden.

 

Zereshk Polo – Safranreis mit Huhn und Berberitzen

Zutaten für 4 Personen – Arbeitszeit ca. 60 Minuten –

  • 500 g Hühnerbrust
    1 Zwiebel, groß
    1 TL Safran (oder Kurkuma)
    2 Lorbeerblätter (wenn vorhanden)
    3 EL Pflanzenöl (z. B. Erdnuss- oder Maiskeim-Öl)
    150 g Berberitzen (persisch: Zereshk)
    2 EL Butterschmalz (alternativ 1 EL Öl und 1 EL Butter)
    2 EL Zucker, braun
    200 g Basmatireis
    2 EL Salz
    3 EL Butter
    2 EL Öl (alternativ Butterschmalz)
    1/2 TL Safran
    1/4 TL Zimt

Zubereitung

1. Reis in einer Schüssel wässern, per Hand umrühren und dann das Wasser abgießen. Prozedur acht bis zehn Mal wiederholen. Zuletzt mit Wasser auffüllen, bis das Wasser ca. 3 cm über dem Reis steht. 1 EL Salz hinzufügen, umrühren und mindestens 25 Minuten einweichen lassen.

2. Derweil das Huhn waschen, salzen, pfeffern und in den Kühlschrank stellen.

3. In einem großen, unbeschichteten Topf Wasser aufkochen. Wenn es kocht, kräftig salzen. Eingeweichten Reis absieben, ins kochende Salzwasser geben, Deckel auflegen und 4 bis 7 Minuten kochen.

4. Den Reis abgießen und den Topf wieder zurück auf die Herdplatte stellen. Bei starker Hitze 2 bis 3 EL Öl oder Butterschmalz und einen Schuss Wasser hinzufügen. Vorsicht: Spritzgefahr! Den abgesiebten Reis gleichmäßig auf dem Topfboden verteilen und leicht andrücken, dann zur Mitte hin hügelförmig locker auftürmen.

5. Die Hitze nochmals reduzieren.

6. Mit dem Stiel eines Kochlöffels Löcher in den Reis bis zum Topfboden bohren, damit der Dampf später besser im Topf zirkulieren kann. Nun den Topfdeckel in ein Küchentuch einschlagen und fest auf den Topf setzen, sodass sich das Kondenswasser im Tuch sammelt und nicht in den Reis zurücktropft. Nach 5 Minuten die Hitze weiter reduzieren.

7. Den Deckel jetzt nicht mehr abheben, damit sich am Topfboden eine knusprige Reisschicht bildet. Nach etwa 30 bis 60 Minuten ist der Reis fertig. Zwischendurch empfiehlt es sich, mit dem Kochlöffelstiel wieder bis auf den Topfboden „nachzubohren“, um zu prüfen, ob die Kruste auch nicht anbrennt!

8. Die große Zwiebel schälen und vierteln. Das Pflanzenöl in einer großen Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin etwa 3 Minuten goldbraun braten. Mit 1 TL Safran oder Kurkuma bestreuen, Huhn darauflegen und nochmals mit Safran bestreuen. Die Lorbeerblätter dazugeben, Deckel auflegen und das Ganze ca. 5 Minuten stark anbraten.

9. Währenddessen im Wasserkocher ca. 100 ml Wasser aufkochen und das Huhn damit ablöschen. Den Herd auf kleine Hitze stellen und zugedeckt ca. eine Stunde sanft schmoren lassen, bis auch der Reis fertig gedämpft ist.

10. Berberitzen auf einen flachen Teller schütten und Stiele sowie kleine Steinchen aussortieren. Die Beeren in einem Sieb kalt abspülen und gut abtropfen lassen. Etwa 15 Minuten, bevor Reis und Huhn fertig sind, das Butterschmalz (oder die Mischung aus Öl und Butter) in einer kleinen Pfanne auf mittlerer Stufe erhitzen. Die abgetropften Berberitzen ins heiße Fett geben und einmal wenden.

11. Jetzt den Zucker darüberstreuen und kurz rühren, bis er leicht karamellisiert. Die Temperatur dabei auf mittlerer Hitze halten, damit die Beeren nicht schwarz werden! Mit 3 EL Hühnerbrühe aus der Schmorpfanne ablöschen und den Zimt dazugeben. Die Temperatur auf höchste Stufe stellen und 1 bis 2 Minuten weiterrühren. Die Berberitzen vom Herd nehmen und zugedeckt beiseitestellen.

12. 1/2 TL Safran in einer kleinen Tasse mit ca. 70 ml kochendem Wasser auflösen und ziehen lassen. Wenn der Reis fertig ist, einen Schöpflöffel voll in eine kleine Schüssel geben, den verflüssigten Safran einrühren und gut vermischen.

13. Das Huhn aus der Pfanne nehmen, Brühe abgießen und Reste entfernen. Herdplatte wieder erhitzen und Pfanne daraufstellen. Jetzt das Huhn hineingeben und 1 bis 2 Minuten von beiden Seiten scharf anbraten. Pfanne vom Herd nehmen.

14. Den weißen Reis auf einem großen Tablett auftürmen, den Safran-Reis darauf verteilen und etwas umrühren. Die fertigen Berberitzen darüber verstreuen, Huhn darauflegen und servieren.

 

Text: Jennifer Gabel; Fotos: Jutta Weber-Vidal

Kontakt: Da sind wir! e.V.; Eichhornstr. 20 in 97070 Würzburg
Vereinstelefon: 0176.27 11 73 01; E-Mail: hallo@da-sind-wir.de

Web: www.da-sind-wir.de