Autor: Thomas Brandt

MY BIG FAT ITALIAN WEDDING

Ein Leben ohne Pasta? Möglich, aber sinnlos. Dazu trinke ich am liebsten staubtrockenen italienischen Rotwein, mit dem man aufgrund seiner teerartigen Konsistenz auch so manche kampanische Schlaglochpiste flicken könnte, bestelle in der besten Caffè-Bar Würzburgs am Grafeneckart zwei CappucchinI – und amüsiere mich derweil über die zutiefst deutsche Anstehkultur der anderen Gäste, die sich brav in einer Reihe vor der Kasse platzieren, anstatt einfach lässig an der vollkommen leeren Bartheke links auf ihr Heißgetränk zu warten. Und – wer hat’s gemerkt? Natürlich schreibe ich „Caffè“, weil ich weiß, das man das in Italien nunmal so schreibt. Insofern: absolut schuldig im Sinne der Anklage – ja, ich bin italophil, vom Scheitel bis zur Stiefel-Sohle (mio!). Warum dieses faszinierende Fleckchen Erde seit Jahrhunderten eine derartige Anziehungskraft auf uns auch emotional gelegentlich so frostgebeutelte Nordmänner und -frauen ausübt – darüber haben sich klügere Menschen als ich bereits den Kopf zerbrochen.  Natürlich ohne eine veritable Antwort zu finden. Vermutlich macht genau das den ungeheuren Reiz Italiens aus. Es ist irgendwie … unfassbar. Unfassbar schön, unfassbar charmant, kurios, absurd, ja, …

THE HUNGER GAMES

Mag ja sein, dass sich im Zuge des grassierenden Optimierungswahns der ein oder andere zur Mittagszeit mit Haferflocken und Chiasamen am Arbeitsplatz begnügt. Ein Grund mehr für die Liebe Nachbarn Redaktion, sie nicht bei der Verlängerung ihrer „Deadline“ (haha) zu stören und sich auf die Suche nach ebenso günstigen wie gemütlichen Essensmöglichkeiten zu machen. Günstig und gemütlich – bleibt wohl nur der Gang ins Wirtshaus? Denkste! In öffentlich zugänglichen Kantinen kann man sitzen, preiswert essen – und wird nicht schief angeguckt, wenn man mal aufs Getränk verzichtet. Jetzt muss es nur noch munden. Liebe Nachbarn hat in drei Würzburger Kantinen neigschmeckt. Hinweis: Wir sind keine ausgewiesenen Feinschmecker, sondern nur hungrige Büromenschen – vom Pragmatiker bis zum Gesundheitsapostel, vom Satt-und-Glücklich-Verfechter bis zum Fast-Food-Verächter. Durchschnitt halt 😉 Telekom-Kantine (Sodexo) in der Schürerstraße  Was gab’s? Putenbrust im Cornflakesmantel mit Wedges und buntem Gemüse. Wie lang hat’s gedauert? Das gleich generell zu allen getesteten Kantinen: Wartezeiten gab‘s – dank Selbstbedienung und reichlich Vorräten – nirgends. Einzige Ausnahme ist die hier besprochene Telekom-Kantine am Mittwoch um 12 Uhr. Da gibt’s …

Capoeira – Die Muskelkater Flatrate

Für zwei Minuten denke ich nichts, gar nichts. Meine Bewegungen folgen nur meinen Reflexen. Ich spüre nicht das Zittern meiner Muskeln, nicht den Schweiß auf meiner Stirn, nicht den harten Boden unter meinen nackten Füßen. Beinahe alles um mich herum versinkt; die Gesichter der Menschen ziehen pfeilschnell vorbei, einzig ihr Gesang, die Musik und der Rhythmus strömen durch meinen Körper und Geist. Es gibt nur mich, mein Gegenüber und den Augenblick. Es gibt nur Capoeira. Capoeira ist Geschichte Zwei Minuten. Dann streckt er seine Hand aus, ich reiche ihm meine und wir verabschieden uns, kehren beide zurück in die Realität, es war ein gutes Spiel, schnell und vor allem präzise, das ist Capoeira. Nüchtern betrachtet und laut Definition eines bekannten Internetlexikons ist Capoeira ein „brasilianischer Kampftanz“. Emotional betrachtet ist Capeira das, was in den ersten Zeilen dieses Textes beschrieben wird. Einzigartig, voller Adrenalin – in erster Linie natürlich für die „Capoeiristas“, die sich in der „Roda“ (dem Kreis) gegenüberstehen und in einer Art Dialog abwechselnd Angriffs- und Verteidigungstechniken austauschen, ohne sich dabei jedoch ernsthaft zu …