Alle Artikel in: ARBEIT & VERGNÜGEN

Wenn der Berch ruft

Nicola Thomas, auch Nicki genannt, hat es von Würzburg nach Erlangen gezogen. Wegen des Studiums natürlich. Was sie genau macht, und vor allem warum, erzählt sie Euch nachfolgend selbst … Würzburg, meine Heimat, meine Liebe und der Mittelpunkt meines Bachelorstudiums in Philosophie, Religion und Germanistik. Nach einer kurzen Panik, mein Herr Papa könnte Recht haben – und ich mit diesen „brotlosen Künsten“ auf der Straße landen, entschied ich mich: Das kann noch nicht alles sein, ein Master muss her. Am besten mit Praxisbezug, aber trotzdem mit Muse für mein geisteswissenschaftliches Gemüt. Und bitte nicht zu weit weg von Main, Wein und Freunden. Und ohne Mathe. So lockten sie mich von Würzburg weg nach Erlangen – schöne Stadt, ein Mango-Laden, Bergkirchweih, Bier – zum Master Medien-Ethik-Religion. „Irgendwas mit Medien“ also. Nun im Ernst. Nach wie vor werde ich schräg angeschaut, wenn ich sage, was ich studiere. Keiner kann sich etwas darunter vorstellen, doch eigentlich betrifft es uns alle jeden Tag, jede Stunde und auch gerade jetzt in diesem Moment. Nicht nur „irgendwas mit Medien“ TV, Netflix …

Musical-Fieber

Der große Traum vom Musical. Das dachten sich auch Burcu und Terry – zwei leidenschaftliche Tänzer aus Kitzingen – und machten sich deshalb auf den Weg nach Norwegen in die Stadt Stavanger. Innerhalb kürzester Zeit wurde geplant, gepackt und dann aufgebrochen. Obwohl beide auf dem tänzerischen Gebiet schon sehr viele Erfahrungen gesammelt hatten und auch in einer Würzburger Tanzschule unterrichten, war ein Musical bisher Neuland für die beiden. In dem kalten Land mit wenig Sonnenlicht entstand schließlich in kürzester Zeit das Musical „Mysteriet på Stavangeren“. Ihr beide habt bei einem Musical in Norwegen mitgewirkt. Wie kam es dazu? Burcu: Ich habe Valentina Reyes, die Initiatorin des Musicals, letztes Jahr im Januar in Frankfurt bei ihrem Workshop kennengelernt. Wir sind direkt sehr gut miteinander klargekommen. Auf einer Grillparty einer Freundin, auf der wir beide eingeladen waren, erzählte sie mir dann von ihrer Idee. Daraufhin kam dann auch die Anfrage ihrerseits. Terry: Die Produzentin habe ich durch Burcu kennengelernt. Wir verstanden uns gut und sie erzählte uns von ihrer Idee. Nach ein paar Monaten schrieb sie mich an …

Vom Main zur Weltmeisterschaft

Mal ehrlich: Viele Würzburger haben sich mit dem Thema Rudern höchstwahrscheinlich noch nie wirklich auseinandergesetzt. Wir von Liebe Nachbarn dachten uns deshalb: Es ist Zeit, dies zu ändern. Deshalb haben wir Anneke und Joachim, zwei junge Ruderer des akademischen Rudervereins Würzburg, eingeladen und ihnen ein paar Fragen zum Thema Rudern gestellt. Und los geht’s! Wann habt ihr mit dem Rudern angefangen und wie kam es dazu? Anneke: Ich bin das allererste Mal 2009 im Ostertrainingslager des akademischen Rudervereins gerudert. In der fünften Klasse kamen Leute des Vereins zu uns in die Schule und haben für das Trainingslager geworben. Ein paar Freunde von mir sind auch mit ins Lager gekommen – ich war allerdings die einzige, die danach weitergemacht hat. Joachim: 2005 – in der sechsten Klasse wurde bei der Einführung des Schulruderns ein Ruderergometer mit in die Schule gebracht. Dieses durfte jeder einmal ausprobieren. Da wurde mein Interesse geweckt und ich bin zum Schulrudern gegangen. Ab wann wusstest ihr, dass ihr das leistungsmäßig machen möchtet? Anneke: Beim Übergang zwischen Kindermannschaft und Junioren. Mit 14 Jahren …

Dettelbach & Muskatzinen

Lecker Geschichte: In Dettelbach steht Frankens älteste Konditorei – seit satten 330 Jahren kreiert, backt, verziert und dekoriert man im Café Kehl fleißig allerhand Köstlichkeiten. Dabei entstanden auch die berühmten und weltweit einzigartigen „Muskatzinen“. Höchste Zeit also für einen Blick in die Backstube! Es war einmal, vor langer Zeit in einer nicht allzu weit entfernten Ortschaft: Im Jahre 1686 – also vor rund 330 Jahren – nimmt eine Konditorei in Dettelbach den Betrieb auf und kreiert im Laufe der Zeit eine fränkische Gebäckspezialität, die bis heute weltweit ihresgleichen sucht. Damals vermochte wohl niemand zu ahnen, dass es diese Köstlichkeit auch 2016 noch geben könnte. Die Rede ist – natürlich – von den berühmten Muskatzinen und dem Ort ihrer Erfindung: dem Café Kehl in Dettelbach, Frankens traditionellster Konditorei, betrieben von der Familie Dauenhauer. Sie kümmert sich auch um die Weinstube samt Restaurant, welche in dem 1540 erbauten historischen Fachwerkhaus untergebracht ist. Doch zurück zu den Muskatzinen: Erfunden hat sie einst Urban Degen, ein echter Meister aus der Zunft der Zuckerbäcker. Von diesen gab es damals in …

Lang lebe die Mode!

In Würzburg aufgewachsen, in München große Träume verwirklicht: Sarah Kaldewey ist gelernte Schneidermeisterin und Modellmacherin. Ihre Kindheit und Jugend genoss Sie in unserer Mainmetropole, machte eine Ausbildung bei MINX in Volkach und startete nach dem Studium ihr eigenes Projekt in München: NEONLACHS und KALDEWEY handcrafted – zwei Modelabels, die ein und dieselbe Philosophie verfolgen. In einem idyllischen Hinterhof im Herzen Münchens führt Sarah das Atelier Kaldewey. Auf die Kreation zeitloser Stücke in höchster Qualität legt sie größten Wert. Warum? Weil die Würzburgerin immer wieder von der Vergänglichkeit der Modetrends schockiert ist: „Ich glaube an langlebige Mode“, sagt sie heute selbstbewusst. Aber nicht nur der Aspekt der Langlebigkeit liegt im Fokus ihrer Kollektionen. KALDEWEY handcrafted steht genauso für Individualität. Das zentrale Element: die Maßanfertigung. Bei einem persönlichen Termin entscheiden ihre Kunden selbst, welche Materialien, Farben und Passformen verwendet werden sollen. Diese überträgt die Designerin anschließend auf bestehende Schnitte. So entstehen jedes Mal aufs Neue ganz besondere, individuelle Einzelstücke, unaufdringliche, einzigartige Looks. Der Weg zu diesen Einzelstücken ist aber gar nicht so simpel, wie es scheint. „Es …

ENTSCHLOSSEN AUF DEM WEG IN DIE WISSENSCHAFT

Der Weg zur Uni-Professur ist kein einfacher. Als junger Forscher muss man heutzutage Geld heranschaffen, Studenten unterhalten, Tagungen organisieren, Papierkram erledigen und Aufsätze schreiben, noch bevor man den Doktortitel in der Tasche hat. Dieser Druck kann zu außergewöhnlichen Projekten führen, wie unsere Reportage beweist. Sobald man den steilen Berg zum Hubland-Campus der Universität Würzburg erklommen hat, ist der Weg zur Philosophischen Fakultät nicht mehr weit. Der Gebäudekomplex wirkt nicht besonders modern, dafür umso verwinkelter. Gleiches sagt man über die Geisteswissenschaften. Wir haben ein Rendezvous mit Julius, der als junger Forscher am Institut für Romanistik angestellt ist, das sich mit den Sprachen, Literaturen und Kulturen der romanischen Länder beschäftigt. Ein Lageplan weist uns den Weg durch das Gebäudelabyrinth. Im Zentrum des quadratisch angelegten Bau 5 liegt ein grün bewachsener Innenhof im Dornröschenschlaf. Das Institut befindet sich im ersten Stock. Am Ende des Gangs steht eine Tür offen. Die Begrüßung ist herzlich. Es riecht nach frisch gebrühtem Kaffee. Julius Goldmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Französische und Italienische Literaturwissenschaft. Derzeit schreibt er an seiner Doktorarbeit über die …

ALLES AM FLUSS CHILLEN MIT WEIN – 3 WÜRZBURGER WEINSTRAND

Sommer, Sonne, Strand und Meer … ist schon viel zu lange her? Na denn – höchste Zeit, sich mit Frühling, Sonne, Strand und Main schon mal auf den nächsten Strandurlaub einzustimmen. Beim 3. Würzburger Weinstrand, dem ersten Weinfest der Saison, kann vom 29. April bis zum 16. Mai geschöppelt und gechillt werden, was das Zeug hält. Wenngleich der vergangene Winter auch nur selten seine kalten Krallen ausgefahren hat, ist den Franken die Freude über den Frühlingsbeginn bereits allerorts anzumerken – von der Vorfreude auf die vielen Weinfeste in und um Würzburg ganz zu schweigen. Ob Weindorf, Hofschoppenfest mit der White Party oder das gemütliche Dorf-Weinfest: Frühling und Sommer in Franken ohne Frankenwein und Weinfeste – das geht ungefähr so zusammen wie Chuck Norris und Rosa …! Den Anfang macht auch in diesem Frühling wieder der Weinstrand. Wie der Name schon vermuten lässt, bildet der Stadtstrand die Kulisse für das in Zusammenarbeit mit Würzburg erleben organisierte Weinfest. Sprich: Wenn uns der Wettergott gnädig ist, könnt Ihr dort zum ersten Mal im Jahr die Füße in den …

BACHELOR OF HEARTS

Früher war das Laby unsere Heimat. Heute streichen sich hier gerade volljährig gewordene Hipster mit ihren Kulturwixxerbrillen gegenseitig die Dreitagebärte und werfen sich über den Kicker lauthals Beleidigungen zu, die keiner mehr genau versteht. #Lifestyle Eigentlich fühle ich mich nicht alt, doch so umzingelt von zwanzigjährigen Freigeistern, die noch zwei Semester brauchen, bis sie ihren BWL-Bachelor endlich in der Tasche haben, trägt die schummrige Beleuchtung des Clubs schwer zu einer melancholischen Stimmung bei. Über mein genaues Alter rede ich ungern, doch sagen wir so: Wenn eine Frau meine Wohnung über dem ehemaligen Corso Kino nicht findet, ist sie eindeutig zu jung für mich. Und trotzdem habe ich noch kein abgeschlossenes Studium oder bin gar einer dieser motivierten Mittzwanziger-Dozenten. Dafür habe ich mittlerweile gelernt, wie peinlich es ist, sich in einer Studentenkneipe über die Zitrone in seinem Gin Tonic zu beschweren und weiß mittlerweile, wo die für mich wichtigen Unibibs in der Stadt verteilt sind. Letztes Semester hat mich so ein kleines Mädchen wirklich total schulbuchmäßig gefragt: „Könnten Sie mir bitte den Weg zur Teilbibliothek Kultur-, Geschichts- und …

VON EINHÖRNERN UND REGENBÖGEN

Matthias Back ist im Juni 2015 zum ersten Mal Vater geworden. Wie es ihm als Papa so ergeht, wie viele Fotos seiner Tochter Sophia eigentlich auf sein Handy passen und warum das mit der Gleichberechtigung dann doch schwerer ist als gedacht – darüber hat seine Frau Julia mit ihm gesprochen. Julia: Hand aufs Herz – ist Elternsein so, wie Du es Dir vorgestellt hast? Matthias: Eigentlich habe ich es mir sogar etwas schwieriger vorgestellt, auch wenn ich nicht genau sagen kann, wie. Es ist natürlich stressig, aber vor allem für meine Frau Julia. Im Grunde bin ich auch nicht davon ausgegangen, dass unser Kind den ganzen Tag schläft oder sich selbst beschäftigt. Sophia ist sehr aktiv und braucht viel Zuwendung. Das ist auch gut so! Das Einzige, was mich wirklich überrascht, ist der Faktor Zeit. Die Zeiten, in denen man spontan etwas unternehmen möchte und zehn Minuten später im Auto sitzt, sind definitiv vorbei. Selbst um zum Supermarkt zu fahren brauchen wir nun eine halbe Stunde Vorlauf. Du wolltest nie Windeln wechseln. Jetzt machst Du …

WAS HABEN SIE ZU IHRER VERTEIDIGUNG ZU SAGEN?

Wie können Sie es eigentlich mit Ihrem Gewissen vereinbaren, einen Schuldigen zu verteidigen? Martin Reitmaier und Peter Möckesch sind Rechtsanwälte und Fach-anwälte für Strafrecht. Zusammen mit weiteren Kollegen betreiben sie die Kanzlei REITMAIER Rechtsanwälte am Oberen Markt im ZARA-Haus. Tagtäglich verteidigen sie Menschen vor den Strafgerichten. Die beiden Anwälte haben uns einen exklusiven Einblick in ihre Tätigkeit gegeben. Wie ist es, einen Menschen zu verteidigen, von dem man weiß, dass er schuldig ist? Diese Frage kennen wir natürlich nur zu gut. Oft werden wir in diesem Zusammenhang auch gefragt, wie man beispielsweise einen Kinderschänder verteidigen kann. Wir nennen das die „Cocktail-Frage“, weil sie uns auf so gut wie allen gesellschaftlichen Anlässen gestellt wird, sobald wir erwähnen, dass wir Strafverteidiger sind. Zunächst ist hier festzuhalten, dass dem Ganzen häufig ein Missverständnis zugrunde liegt: Wenn wir das Mandat am Anfang eines Ermittlungsverfahrens übernehmen, wissen wir oft nicht, ob es sich bei dem Mandanten wirklich um einen „Kinderschänder“ handelt. Meist steht am Anfang des Ermittlungsverfahrens nur ein mehr oder weniger vager Anfangsverdacht. Man muss also differenzieren. Auf der …