Alle Artikel in: GESELLSCHAFT

Balz auf dem Würzburger Catwalk

Von dezentem Wegschauen hält man hier nichts: In Würzburg wird hinterhergeguckt, was das Zeug hält. Klar, dass es in lauen Sommernächten zwischen Festung und Residenz auf den städtischen Catwalks nur so wimmelt.  Als Einstieg für Touris, Neuwürzburger und gut betuchte Franken eignet sich natürlich am besten die Alte Mainbrücke. Eintrittskarte für die Mainvariante der Münchner Schickeria ist lediglich der klassische Brückenschoppen, den es geschickt durch die Menschenmassen zu jonglieren gilt. Für die Damen schickt sich außerdem die hochgekrempelte weiße Hose, kombiniert mit einer leichten Daunenjacke in pastelligen Frühlingsfarben. Dazu eine männliche Begleitung, leicht gebräunt, mit lässigem Kaschmirpullover über den Schultern. So lehnt man sich dann elegant neben Kilian an die Brückenmauer und begutachtet die – im Rausche des Weines – mediterran anmutende Landschaft. Und ihre Bewohner. Halbwegs unauffällig. Ganz und gar nicht unauffällig läuft das Prozedere dagegen beim Sonntagstreff ab. Location: MS Zufriedenheit beim Kulturspeicher. Niveau: für Würzburger, die schon ein paar Leute kennen. Denn hier guckt man sich unverblümt hinterher und grüßt dabei lässig nach links und rechts. Je häufiger, desto besser. Kommt man …

Neulandfrust

Die neueste Serie gestreamt, Nachrichten gelesen, kurz die Urlaubsfotos hoch- und das Rezept runtergeladen, Onlineticket gebucht, im Onlineshop bestellt – und per Onlinebanking bezahlt. Klar soweit? Fast. Denn es gibt sie tatsächlich noch, die weißen Flecken in der Internetlandschaft – auch bei uns in Franken. Ein Erfahrungsbericht. Einem Bericht von akamai´s [state of the internet] Q4 2016 report zufolge liegt Deutschland im weltweiten Vergleich der Internetgeschwindigkeiten auf Platz 25 hinter Rumänien, Bulgarien und der Tschechischen Republik. Naja gut, wir müssen ja auch nicht überall Weltspitze sein. Doch in unserem Dorf in der tauberfränkischen Provinz übertreiben sie’s jetzt langsam – oder besser gesagt: untertreiben. Hier ist das Internet gerade mal ein Zehntel so schnell wie im bundesdeutschen Durchschnitt, vergleichbar mit Ländern wie dem Kongo, Venezuela oder dem Sudan. Seit 2004 haben wir sage und schreibe eine 2-Mbit-Anbindung. Mega, oder? Eines Tages dann der Anruf von der Telekom-Hotline: „Schönen guten Tag.“ „Hallo.“ „Ich rufe an im Auftrag der Telekom und wollte Ihnen mitteilen, dass wir im Zuge der Digitalisierung alle Telefonanschlüsse auf Voice-over-IP umstellen.“ „Sie meinen damit …

Zwischen Welten

Der australische Musiker DUNCAN WOODS über Idole, den Sinn des Lebens und seine Liebe zu Würzburg. Er kommt aus Australien und verbringt seine Sommer in Würzburg, weil er die Stadt liebt. Auf der Alten Mainbrücke hat er sich 2016 mit sieben Studenten der Musikhochschule zusammengetan, um ein neues Bandprojekt zu starten. Man kennt ihn vom StraMu, dem Stadtfest oder gemeinsamen Auftritten mit Soulconnection und Puente Latino. Sein bisher größter kommerzieller Erfolg gelang gemeinsam mit dem Berliner DJ-Duo Frank & Friedrich mit dem Song „Coming Home“. LIEBE NACHBARN hat Duncan und seinen Gitarristen Matze über den Dächern Würzburgs getroffen.  Duncan und Matze, wie kommt es, dass ein Australier mit Würzburgern Musik macht?Duncan: Meine Freundin lebt in Würzburg und deswegen verbringe ich seit drei Jahren die Sommermonate immer in hier. Matze: So haben wir uns dann zufällig im letzten Sommer beim Straßenmusikmachen auf der Alten Mainbrücke kennengelernt. Warum Würzburg, wenn man aus Australien kommt? Duncan: Ich habe mich in die Stadt verliebt: Würzburg hat die perfekte Größe für eine Stadt, denn ich bin kein Fan von Metropolen. Das Wetter …

Is it right or is ist wrong? Wie trifft man die die richtige Entscheidung?

Münzen werfen, Entscheidungskugeln oder gar Glaskugeln befragen, bei Radio Gongs Tarot Lady anrufen, aufs Bauchgefühl hören oder ganz rational eine Liste schreiben – es gibt viele Möglichkeiten, Entscheidungen zu treffen. Wir fragen einen, der es wissen muss: Diplompsychologe Lorenz Wohanka über die Qual der Wahl, Fehlentscheidungen und Co. Herr Wohanka, was ist sinnvoller: Aufs Bauchgefühl hören oder vernünftig und in Ruhe abwägen?  Es gibt Menschen, die sowohl das eine als auch das andere als absolut sinnvolle Quelle ihrer Entscheidungen anführen. Denn: Bauchgefühl und Darüber-Nachdenken sind letztlich zwei zusammengehörende Pole desselben Vorgangs. Das Bauchgefühl speist sich aus vergangenen Erfahrungen und erworbenem Wissen. Damit kann es eine zeitverkürzende Entscheidungshilfe sein. Gerade bei Menschen, die Experten auf ihrem jeweiligen Wissensgebiet sind, lässt sich diese Form von Expertise heranziehen. Das bedeutet: Jeder Mensch ist – je nach Ausbildung und Übung – in bestimmten Wissens- und Fähigkeitsgebieten dazu in der Lage, mithilfe des Bauchgefühls sehr gute Entscheidungen zu treffen. Wenn dem Bauchgefühl jedoch die Basis fehlt, auf dem es sich „vernünftig“ und mit echter Expertise entwickelt hat, dann wird es schwer. Was …

Stadt Geschichten

USB-BUS Ich finde es ja super, dass es jetzt bald öfters auch in den öffentlich Verkehrsmitteln USB-Buchsen zum Aufladen von Handy-Akkus gibt. Aber nun meine Frage, liebe WVV: Hat die Straßenbahn noch genug Saft zum Fahren, wenn die komplette 7b des Riemenschneider-Gymnasiums gleichzeitig „Clash of Clans“ am Handy zockt und dabei ihre Akkus auflädt?! Sicherlich nicht! An einer Bushaltestelle … … stehen ein Vater und dessen kleine Tochter. Das Mädchen tänzelt auf einer Mauer herum, kommt wenig später mit ausgebreiteten Armen auf ihren Papa zu und umarmt ihn. Lautstark ruft die Kleine plötzlich: „Papa … du musst auch mal wieder duschen.“ Verlegen, ja gar etwas mürrisch, schaut sich der Mann um: „Ich hab doch gestern erst gebadet.“            von Lisa Moug   In die Tüte lachen. TEGUT SANDERAU Als treuer Tegut-Kunde weiß man spätestens, seit die allerbestgelaunteste Oberkassiererin Rita(-Lin) in Rente ging, dass hier irgendetwas anders läuft … Unter den Kassiererinnen herrscht immer eine spitzen Laune. Letzten Dienstag war die „Junge mit der großen Brille“ so erheitert, dass sie beim Artikelscannen, …

Es gibt viele Menschen, die verzweifelt, einsam oder traurig sind – ein Telefongespräch mit jemandem, der zuhört, kann da oft ein kleines Wunder bewirken. Dafür ist die TelefonSeelsorge da. Sie ist das ganze Jahr über – auch an Weihnachten und Neujahr – eine große Stütze für viele Menschen. Wir haben mit Ruth Belzner, seit 20 Jahren Leiterin der TelefonSeelsorge in Würzburg, gesprochen. In Liebe Nachbarn erzählt sie von den Herausforderungen, die die Arbeit als „Telefonseelsorger“ mit sich bringt. Wie viele Anrufe bekommt die TelefonSeelsorge im Schnitt pro Tag? Ruth Belzner: Im Schnitt klingelt das Telefon 53 Mal täglich – davon kommt es in 38 Fällen zu einem Seelsorgegespräch mit durchschnittlich etwa 22 Minuten Dauer. Die anderen Anrufe sind Aufleger oder Anliegen, für die wir uns nicht zuständig sehen. Bekommen Sie zu den Weihnachtsfeiertagen vermehrt Anrufe? Wenn ja, woran könnte das liegen? Nein, die Zahl der Anrufe steigt in diesen Tagen nicht. Das liegt zum einen vermutlich daran, dass unsere Auslastung ein Mehr ohnehin kaum zulässt. Zum anderen sind Menschen, die an diesen Tagen wegen Einsamkeit …

All around the World

Job gekündigt, Wohnung aufgelöst, Koffer gepackt und ab die Post: Nadine und Vitor haben es getan. Das Paar aus Würzburg hat sich getraut und reist ein Jahr gemeinsam um den Globus – ohne Plan, ohne Ziel. So starteten die zwei ihre Reise mit nur zwei vorab gebuchten Flügen: Am 29. April ging es von Deutschland nach Tokio, am 12. Mai weiter von Osaka nach Bankok. Und der Rückflug? Der ist noch nicht gebucht. „Wir lieben die Freiheit, die man unterwegs hat!“ sagen die beiden.  Verratet uns doch zwei Dinge: wo wart ihr schon Überall und wo soll es noch hingehen? Hong Kong, Japan, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Sri Lanka, Indonesien, Singapur, Kuala Lumpur – in den letzten vier Monaten haben wir eine ganze Reihe verschiedener Städte und Länder besucht. Auf unserem Plan stehen jetzt noch Neuseeland, Mittel- und Südamerika sowie Südafrika – doch das kann sich jederzeit ändern. Uns ist nämlich eines besonders wichtig: unabhängig zu sein und uns genügend Zeit für die Orte zu nehmen, die uns besonders gut gefallen. Wie kam es dazu, dass …

Defense!

Wann und wie darf ich mich verteidigen? Die me isten dürften entweder bereits selbst in dieser Situation gewesen sein oder diese aus einigem Abstand beobachtet haben: Es ist Samstagnacht, 01:30 Uhr, man steht für eine Zigarettenlänge vor einem Würzburger Club, die Stimmung ist infolge der Feierei und des Alkoholkonsums aufgeheizt – und plötzlich entwickelt sich wie aus dem Nichts eine Schlägerei, in die man im schlimmsten Fall sogar selbst verwickelt wird.