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Capoeira – Die Muskelkater Flatrate

Für zwei Minuten denke ich nichts, gar nichts. Meine Bewegungen folgen nur meinen Reflexen. Ich spüre nicht das Zittern meiner Muskeln, nicht den Schweiß auf meiner Stirn, nicht den harten Boden unter meinen nackten Füßen. Beinahe alles um mich herum versinkt; die Gesichter der Menschen ziehen pfeilschnell vorbei, einzig ihr Gesang, die Musik und der Rhythmus strömen durch meinen Körper und Geist. Es gibt nur mich, mein Gegenüber und den Augenblick. Es gibt nur Capoeira. Capoeira ist Geschichte Zwei Minuten. Dann streckt er seine Hand aus, ich reiche ihm meine und wir verabschieden uns, kehren beide zurück in die Realität, es war ein gutes Spiel, schnell und vor allem präzise, das ist Capoeira. Nüchtern betrachtet und laut Definition eines bekannten Internetlexikons ist Capoeira ein „brasilianischer Kampftanz“. Emotional betrachtet ist Capeira das, was in den ersten Zeilen dieses Textes beschrieben wird. Einzigartig, voller Adrenalin – in erster Linie natürlich für die „Capoeiristas“, die sich in der „Roda“ (dem Kreis) gegenüberstehen und in einer Art Dialog abwechselnd Angriffs- und Verteidigungstechniken austauschen, ohne sich dabei jedoch ernsthaft zu …

Der Frühling wird wuschig

Ein neuer Frühling – und viele neue Pläne. Große Pläne. Die Dinge endlich mal anders machen. Möglicherweise sogar was Sinnvolles, Ökologisches, Foodtruck-Artiges, mit viel Reisen und so. Ein Start-up gründen, oder gleich zwei, die Welt ein bisschen verändern, das „eine große Ding“ aus dem Boden stampfen. Viele von uns tragen solche Gedanken mit sich herum. Und dann kommt er wieder um die Ecke, der geliebte Alltagstrott – und irgendwie bleibt doch wieder alles beim alten. Doch wieso wollen wir eigentlich immer gleich alles auf den Kopf stellen? Vielleicht ist es 2017 an der Zeit, mal einen Schritt zurückzutreten und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Denn oftmals genügen eben schon kleine Veränderungen in unserem Leben, damit wir uns besser fühlen, glücklicher sind und zufriedener durch den Tag gehen. Probiert es einfach mal aus: Geht raus in die Natur, in den Park, lasst die Frühlingssonne Eure Haut wärmen, fahrt euch mit den Händen durch die Haare, verwuschelt sie – und erdet Euch ein klein wenig. Wetten, dass Ihr dann genau wisst, was Ihr als Nächstes zu …

Richtig böse

Nein, „richtig böse“ ist nicht gut 😉 … ABER: Etwas Unartigkeit und Spontaneität sind nicht immer das Schlimmste. Wir haben ja schon ein schlechtes Gewissen, wenn wir unseren Müll falsch trennen, in der Eigentumswohnung rauchen oder auf einen Baum im Park klettern. Die allgegenwärtige Angst, etwas falsch, nicht regelkonform oder anders zu machen, lähmt unseren Geist und tötet viel Kreativität. Wenn alles seine Ordnung hat und jeder das macht, was man von ihm erwartet, dann wird alles gut – denken viele. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall: Die besten Gedanken und Ideen entstehen eben nicht beim Herunterdrehen der Hifi -Anlage auf Flüsterlautstärke ab 22 Uhr oder beim Auswaschen von Joghurtbechern. Nehmt nicht immer alle Regeln ohne nachzudenken hin. Vielleicht ist es manchmal wichtig, etwas auszubrechen, um die Dinge in einem anderen Licht zu sehen. In Würzburg ist nicht viel erlaubt: Alles ist geordnet und reguliert, wenig Freiraum für neue Dinge und Impulse; viele haben es schwer, hier ihre Visionen umzusetzen und ihre Kreativität auszuleben. Das ist schade und nicht gut für eine Stadt mit …

Miau Miau

Heftige Überschriften, die Dich dieses Heft haben aufschlagen lassen? … Katzencontent? … Click- baiting? … Sommerlochgeschichten? Nicht bei uns! Unser Kätzchen Mia ist zwar tatsächlich soooo süß, dass jedes Herz und Eis dahinschmilzt … Sie existiert aber wirklich und lebt hier in unserer Nachbarschaft in Würzburg UND sie hat eine Geschichte … 
sogar eine sehr traurige: Bei der Geburt hat Mia ihre sechs Geschwister verloren. Sie ist das einzige überlebende Katzenbaby ihrer Mutter. Mia sucht ein neues Zuhause, und wenn Du ein netter Nachbar bist und Interesse hast, mit Mia bis zum Ende eurer Tage zusammen Milcheis zu schlecken, schreib uns an: kontakt@liebe-nachbarn.net, wir leiten Deine Bewerbung an Mias Menschenmama weiter. Jeden Tag prasseln viele bedeutende Nachrichten aus aller Welt auf uns ein und wollen unsere Aufmerksamkeit … Wenn eine Katze in unserer Nachbarschaft ein neues Zuhause sucht, dann schreiben wir darüber … egal, wie unbedeutend diese Katze ist … Sie ist eine kleine Mitbewohnerin unserer Stadt und verdient Aufmerksamkeit … genauso wie viele scheinbar unbedeutende Menschen, die wir in dieser Ausgabe begleitet haben: beim …

HALLO FRÜHLING

Du schon wieder? Erst sehnlichst erwartet, dann sauer, dass Du nicht kamst – und irgendwann hat man gar nicht mehr an Dich geglaubt. Und jetzt: Plötzlich macht es DING DONG und da ist er: DER FRÜHLING, oder etwa doch Dein LIEBER NACHBAR? … man weiß nicht so recht, was schöner ist … Hauptsache aber, es tut sich mal irgendwas nach diesen schier endlos-grau-depressiv-desaströsen Wintermonaten. Liebe Universitätsstadt und Mainmetropole: Beweg Dich, wach auf aus Deinem Winterschlaf, entwickle Dich, mach was aus Dir, werde hübscher, MOZ nicht rum – und sei dabei vielleicht nicht immer so kleinlich-peinlich. Blumen schenken – wie altmodisch, rückständig, uncool?! … oder: Wie süss-duftend-lieb-herzlich das doch ist, je nach Sichtweise. Kleine Aufmerksamkeiten – Blumen und Freundlichkeiten sind oftmals der Schritt zu viel größeren Nettigkeiten: Freundschaft, Nachbarschaft, Liebe, und und und … 😉 Also: Traut Euch, macht den ersten Schritt. Die Gefahr zu versagen ist gering, die Chance auf Neues unendlich größer. LIEBE NACHBARN gibt es mit dieser Ausgabe seit einem Jahr – wir schreiben hier und jetzt nicht, wie super, spitze, ober-fancy-geil doch …

WEIN UND BIER DAS RAT ICH DIR

Es ist ein kalter Wintertag. Mein Smartphone klingelt, ein
 Freund ruft an. Ich solle doch mal wieder nach Würzburg kommen, ihn besuchen. Ich könnte Karten haben für ein Handballspiel der Rimparer Wölfe. Am nächsten Tag wäre ich VIP-Gast bei den Würzburger Kickers, anschließend könnten wir noch feiern gehen, stünden überall auf der Gästeliste. Wo jeder andere vermutlich sofort zusagen würde, atme ich erst einmal tief durch. Ich war schon mal dort – in Würzburg. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es die Wochenenden in Spice-Castle in sich haben können. Motto: Wein und Bier, das rat ich Dir. Reihenfolge? Völlig egal. Nach meinem letzten Besuch in der Großraumkneipe Würzburg hätten sie mir in der Betty-Ford-Entzugs-Klinik in den USA vermutlich die Präsidenten-Suite angeboten. Also sage ich zu. Überflüssig wie grüne Paprika 48 Stunden später steige ich am Würzburger Bahnhof aus. Vorbei an Verkaufs-Pavillons, deren Ästhetik selbst in Chemnitz für Nasenrümpfen sorgen würde, bahne ich mir den Weg zum Taxi-Stand. Neben mir warten Menschen, die sich lautstark unterhalten – in einer Sprache, die ich nicht identifizieren kann. „Ah, …

Ein Gespräch mit dem Diplom-Psychologen Lorenz Wohanka. Als Experte für das Verhalten und Erleben von Menschen treibt ihn die stete Neugierde auf seine LIEBEN NACHBARN und Ihre Gedanken sowie Handlungen an. In dieser Ausgabe widmen wir uns dem Frühling: Wenn die Uhren irgendwie anders gehen, die Tage immer heller und länger werden, dann platzen alle unsere LIEBEN NACHBARN – ob Pflanze, Tier oder Mensch – schier vor Lebenslust. Es drängt uns in Cafés, auf wintermüde Ringparkbänke, um die ersten warmen Sonnenstrahlen zu erhaschen – und alles um uns herum wird anziehender, bunter, irgendwie attraktiver. Höchste Zeit für Frühlingsgefühle also … Was sind eigentlich „Frühlingsgefühle“? Nun, fragt Euch selbst, wie es Euch jetzt geht: Der Mensch meint, fast zu platzen, hat Lust auf die Welt, das Aus-dem-Haus-Gehen und Aus-sich-heraus-Kommen. Viele nehmen wahr, dass man sich offenbar leichter verliebt – und Frauen wie Männer bekommen (mehr) Lust auf Sex. Wenn wir die Frage nach der biologischen Basis und dem psychologischen Verständnis der Frühlingsgefühle stellen, wird es ein wenig komplexer, zumal es jede Menge Mythen dazu gibt. Ist …

HALLO NACHBARN

So viele neue Nachbarn aus aller Welt hat es lange in Deutschland nicht mehr gegeben. Schlimme Geschichten liegen hinter diesen Menschen; ein Grund mehr, es ihnen in unserem friedlichen Land, in unserer hübschen Stadt so schön wie möglich zu machen. Mit Winken und Wasserflaschen am Bahnhof ist es aber nicht getan. Wir müssen diesen Menschen Mut machen und ihnen zugleich zeigen, wie hier der Hase läuft, was geht, und was nicht, wie man hier lebt, was in unserem Grundgesetz steht, wie man unsere Sprache spricht – und was wir unter unseren „freiheitlichen Grundwerten“ verstehen. Wir brauchen viele liebe Nachbarn in den nächsten Jahren, um das zu schaffen. Menschen, die zum Beispiel ein Freiwilliges Soziales Jahr in Würzburg leisten, Menschen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, Menschen, die vielleicht noch Platz haben bei sich und gerne jemanden Fremdes ohne Vorurteile aufnehmen – und Menschen, die sich ignoranten, fremdenfeindlichen Mitbürgern in den Weg stellen und ihnen Herz und Hirn öffnen. Bei uns gibt es genug von allem, das nötige Teilen wird aus einem reichen Land kein …

IN HÖCHSTEN TÖNEN

Wenn Mittwoch für Mittwoch um Punkt 17:30 Uhr plötzlich wundersame Glockenklänge aus dem Turm der Neubaukirche über der Stadt erschallen, sorgt das selbst bei vielen Einheimischen noch immer für Irritationen. „Was hat es damit auf sich?“ oder auch „Läuft das automatisch?“, lauten die üblichen Fragen zum allwöchentlichen Glockenspiel im höchsten Turm der Stadt. Eigentlich verbirgt sich dahinter gar kein „gewöhnliches“ Glockenspiel, sondern ein sogenanntes Carillon. Dieses gibt es dort seit nunmehr zehn Jahren. Höchste Zeit also für einen Besuch an einem der wohl außergewöhnlichsten Arbeitsplätze Würzburgs. DIE POPSTARS DES 18. JAHRHUNDERTS  250 Stufen und jede Menge Puste später findet man so hoch oben über der Stadt Dr. Dr. Jürgen Buchner. Von hier aus bezaubert er die Würzburger ehrenamtlich mit dem außergewöhnlichen Sound des Carillon. Bereits im Jahr 1510 fand das Instrument seine erste urkundliche Erwähnung. Die ersten Noten für das Carillon waren damals Weihnachtslieder. In den Niederlanden und Belgien entstand später die Hochburg der Carilloneure. Sie waren so etwas wie die Popstars des 18. Jahrhunderts, die die Hits spielten, zu welchen die Menschen auf der …

SEXTANTEN

Sex ist schon lange kein Tabu-Thema mehr, ganz im Gegenteil: In unserer heutigen Gesellschaft heißt es oftmals „Sex sells!“ Ob in Zeitschriften, auf Plakaten oder im Fernsehen – überall wird man mit dem Thema Sex konfrontiert. Was den Bereich Sex-Spielzeug anbelangt, kommt man daran spätestens seit dem Hype um „50 Shades of Grey“ kaum noch vorbei. Was früher Tupperpartys waren, sind heute Toypartys! Dass es sich dabei nicht um Kinderspielzeug handelt, können sich wohl die meisten bereits denken – schließlich werden auf den im Volksmund auch Dildo-Partys genannten Events statt Rührschüsseln und Salatschleudern Vibratoren und Analplugs präsentiert. „Einige von uns haben schon des Öfteren in Online-Sexshops bestellt, aber wir wollten uns in Sachen Spielzeuge im Bett schon immer einmal professionell beraten lassen“, erklärt eine Runde junger Frauen ihre Intentionen. Bevor es aber losgehen kann mit der Präsentation, muss erst ein Veranstalter gefunden werden. Vor allem die ansprechende Werbung von Amorelie war der Frauengruppe schon oft aufgefallen. Der – im Gegensatz zu manch anderen Sexshops – absolut nicht schmuddelig wirkende Auftritt des Unternehmens gab den Ausschlag, …