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Zwischen Welten

Der australische Musiker DUNCAN WOODS über Idole, den Sinn des Lebens und seine Liebe zu Würzburg.

Er kommt aus Australien und verbringt seine Sommer in Würzburg, weil er die Stadt liebt. Auf der Alten Mainbrücke hat er sich 2016 mit sieben Studenten der Musikhochschule zusammengetan, um ein neues Bandprojekt zu starten. Man kennt ihn vom StraMu, dem Stadtfest oder gemeinsamen Auftritten mit Soulconnection und Puente Latino. Sein bisher größter kommerzieller Erfolg gelang gemeinsam mit dem Berliner DJ-Duo Frank & Friedrich mit dem Song „Coming Home“. LIEBE NACHBARN hat Duncan und seinen Gitarristen Matze über den Dächern Würzburgs getroffen. 

Duncan und Matze, wie kommt es, dass ein Australier mit Würzburgern Musik macht?Duncan: Meine Freundin lebt in Würzburg und deswegen verbringe ich seit drei Jahren die Sommermonate immer in hier.

Matze: So haben wir uns dann zufällig im letzten Sommer beim Straßenmusikmachen auf der Alten Mainbrücke kennengelernt.

Warum Würzburg, wenn man aus Australien kommt? Duncan: Ich habe mich in die Stadt verliebt: Würzburg hat die perfekte Größe für eine Stadt, denn ich bin kein Fan von Metropolen. Das Wetter im Sommer ist immer gut und ich finde es großartig, dass es ein Zentrum gibt. In Australien haben wir weniger Stadtkerne, sondern eher den Suburban-Style. Dabei ist ein Zentrum perfekt, um Leute zu treffen. Ich fühle mich hier wirklich zuhause, die Menschen sind toll und hier sind die besten Fans der Welt: Sie mögen meine Musik, kommen zu unseren Konzerten, hören sich die Songs im Netz an und sagen mir auf der Straße Hallo.

Hast du einen Lieblingsort hier? Duncan: Ja, ich chille am liebsten im Steinbachtal am Ufer unter den Bäumen. Außerdem ist Rottenbauer sowas wie meine Hood: Meine Freundin ist dort aufgewachsen und deshalb haben wir da viele gute Freunde.

Gibt es eine Location in Würzburg, wo ihr unbedingt mal spielen wollt?
Duncan & Matze einstimmig: Posthalle wäre großartig! Da würden wir nicht nein sagen 😉

Wie seid Ihr eigentlich zur Musik gekommen? Matze: Alle Bandmitglieder außer Duncan studieren hier in Würzburg an der Musikhochschule.

Duncan: Ich habe ursprünglich Physiotherapie studiert und mir Gitarre und Gesang autodidaktisch beigebracht. Jetzt habe ich hier Leute gefunden, die sich auch mit Musiktheorie super auskennen und mich bereichern.

Was macht euren Sound besonders? Matze: Das australische Flair! Unsere Musik strahlt Entspanntheit aus und in manchen Songs hört man die Hitze des Outbacks mit. Kurz: Ein Mashup aus Reaggae, Hiphop und Pop.

Wer sind Eure Vorbilder? Duncan: Cat Empire ist die beste Band aller Zeiten. Und ich verehre Nelson Mandela, er war ein großartiger Mensch.

Matze: Ich liebe die Beatles. Die haben in der Popmusik einfach alles gemacht, was man machen kann. Alle, die danach kamen, haben die Beatles nur noch ausgebaut.

Wie fühlt es sich an, wenn Menschen vor der Bühne eure Songs singen? Duncan: Das kam noch nicht so oft vor, denn ich bin so viel unterwegs, dass die Leute sich noch nicht so leicht erinnern. Aber ich hatte dieses Erlebnis tatsächlich in Würzburg letztes Jahr beim Stadtfest: Da sangen ein paar Leute mit. Das war verrückt, weil ich an sowas nicht gewöhnt bin, ich nehme das nicht für selbstverständlich. Es ist großartig!

Und was war Euer schönstes Konzert-Erlebnis? Duncan: Das war dieses Jahr beim National Folk Festival in Australien. Wir spielten spontan eine Show in einem Zelt. Als wir zu spielen begannen, war niemand da. Und als ich nach zehn Minuten von der Gitarre aufsah, war plötzlich das ganze Zelt voller Menschen, die tanzten und mega viel Energie versprühten.

Gibt es einen Song mit einer besonderen Bedeutung? Duncan: Beauty Queen! Da geht es um Menschen, die sich nur darum scheren, was in ihrem Umkreis geschieht. Sie leben in ihrer eigenen kleinen Welt und nehmen nicht wahr, dass es in vielen anderen Teilen der Welt Menschen gibt, denen es sehr schlecht geht. Stattdessen leben sie in ihrer Blase, in der die Welt schön ist. In dem Song geht es aber nicht darum zu sagen, dass die Welt nicht schön ist. Sondern darum, dankbarer zu sein, für das, was wir hier im Westen haben und sich mehr bewusst zu sein, was jenseits unserer westlichen Welt geschieht.

Was ist euer großer Traum? Matze: Ich möchte in erster Linie gute Musik machen. Es muss nicht sonderlich erfolgreich werden, aber ich würde gern davon leben können.

Duncan: Genau, von der Musik leben und an Orte reisen, die ich liebe, um dort Konzerte auf die Bühne zu bringen.

Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Duncan: Das drückt eine Songzeile von mir ganz gut aus: To live a life of love and laughter. Also: Liebe, Reisen, gute Freunde treffen, leckeres Essen genießen.

Das klingt so wie das, was Monty Pyhton in ihrem Film „The Meaning of Life“ sagen? Duncan: Ja! Es ist ein Klischee, aber genauso ist es. Tu, was du tun willst! Tu nichts, was du nicht tun willst, denn du wirst sterben!

Matze: Da kann ich mich nur anschließen: Machen, worauf man Lust hat und sich nicht verbiegen lassen. Talente nutzen, die einem mitgegeben wurden.

Glaubt ihr an die große Liebe? Duncan: Natürlich glaube ich an Liebe! Aber nicht an die eine große Liebe, sondern an wahre Liebe. Zwischen Freunden, Partnern und so weiter. Man sollte nicht an nur eine große Liebe glauben, sondern an wahre Liebe.

Matze: Ja, ich glaube dran. Schon gefunden? Noch nicht.

Wenn du sie fändest, würdest du ein Lied für sie schreiben? Matze: Ich könnte ja schon im Vorhinein ein paar Lieder schreiben, so vorsichtshalber. Jeder schreibt ja gern über Liebe. Zum Beispiel gibt es da meinen Liebessong Anna.

Worum geht’s da? Matze: Die Quintessenz lautet: Anna, du machst mich Banane. Damit ist eigentlich schon alles gesagt 😉

Mehr Infos und alle Live-Termine von Duncan Woods findet Ihr unter:
http://duncanwoodsmusic.com/
Text & Interview: Johanna Kleinschrot; Titelfoto: Duncan Woods, Foto unten: Sarah Theisen