Alle Artikel in: SEHEN-HÖREN-FÜHLEN

Balance

wendy, darling, immer wenn die flucht nach vorn der letzte ausweg ist, um land zu gewinnen wenn jeder wegweiser flüstert: geh nirgendwohin, geh nimmerwohin wenn nichts gutes ist an diesen dingen dann hilft nur anlauf nehmen und springen und wenn früher dein plan war, mit peter pan fortzuziehen und jetzt deine zeitbomb im herz lauter tickt, als die uhr in den krokodilen dann musst du aufhören zu fragen dann musst du anlauf nehmen und fliegen wenn peter pan dir seine hand reicht und sagt fass mich nicht an niemand darf peter pan anfassen dann musst du anlauf nehmen und die richtung den besseren straßen anpassen es gibt nichts das irgendetwas an irgendetwas ändert und: wendy, du weißt es, dort, wo kein schatten ist da vermissen wir schmerzlich das licht, das wir vorher immer hatten und was später davon übrig ist legt sich metallen und ohne farbe um deinen nacken er ist nur verloren gegangen, denkt sie sich my lost boy und nimmer nimmer land in sicht das es zu gewinnen gibt für dich, mein freund …

Im August

Im August ruht die Stadt. Sie ruht sich aus vom Lärm, vom Stress und von der Hektik. Vom  Menschen. Solange ich denken kann, ist das so im August. Als Jugendlicher war da nur dieses vage Gefühl, dass in diesem Monat irgendetwas anders ist. Undefiniert. Nach Jahren bilden sich Konturen, formen sich Muster und am Ende herrscht Gewissheit: Der August ist ein Exot. Das könnte das vorläufige Ende dieses Textes sein. In einer Zeit, in der stumpfe Parolen und Protestschildsätze mehr Publikum erreichen als Erläuterungen, kann ich jetzt auch aufhören. Speichern, Laptop zu. Der August ist ein Exot. Der August ist ein Idiot. Der August ist ein Chaot. Und Steine hat er auch geschmissen! Na gut, statt wütender Flüsterpost – der ganze Text: In Deutschland, in Bayern, in Würzburg macht man im August: Urlaub, Punkt. Entweder sind es die Sommerferien der Kinder oder der Kitas, die Semester- oder Betriebsferien, weil man es halt so macht oder schon immer so gemacht hat oder weil halt eh nur Wiederholungstatorte laufen. Ganz egal, aber Urlaub muss! Und so leert …

Es ist ein Heimatlied

Heimat ist ein ziemlich schönes Wort – und leider zugleich ein ziemlich furchtbares.  Populistisch aufgeladen UND vielfach miss-braucht, fällt es schwer, diesen Begriff heute vollkommen wertfrei zu verwenden. Heimat besitzt (nicht erst in unserer Zeit) eine zutiefst politische Bedeutung. Auf der Suche nach einer Definition ist aber vielleicht gerade die zweite Dimension von Heimat entscheidend: nämlich die persönliche. Heimat, das ist für mich der Ort, an dem ich geboren und aufgewachsen bin. Gute 40 Kilometer entfernt von Würzburg, im nördlichen Baden-Württemberg. Eine Kleinstadt, 3.500 Einwohner, zwei Tankstellen, ein Discounter, Metzger, Grundschule, Dorfdoktor, die obligatorische, natürlich erfolglose Bürgerinitiative, die seit gefühlten 150 Jahren für eine Umgehungsstraße kämpft – alles in allem also nichts Besonders. Aber eben – im Gegensatz zu Würzburg, wo ich seit über zehn Jahren lebe – meine Heimat. Wenn ich an meinen Heimatort denke, dann denke ich zuerst an die Fleischküchle meiner Mutter. Natürlich die besten der Welt. Ich denke an einen Samstagmorgen, an dem aus unserer Küche der Geruch von angebratenem Fleisch in mein Zimmer steigt, und an die Geräusche, die einen …

Lieder-Nachbarn-Abend

Ein geheimes Wohnzimmerkonzert in deiner WG? Es ist immer sehr schwierig, Musik in Worte zu fassen … und dann noch die eigene … ein Versuch: wie klingt denn euer neues Album? Ja, es ist auf jeden Fall schwierig, dem Ganzen mit ein paar Worten einen Stempel aufzudrücken. Was auf jeden Fall auffällt ist, dass wir die Trennlinie zwischen klassischer Band und elektronischer Musik immer weiter verschwimmen lassen. Wir versuchen da bewusst auch eine Gratwanderung und vermischen Synthesizer mit vielen akustischen Instrumenten. Wir machen mittlerweile auch solange zu dritt Musik, dass wir wissen: Wenn wir einen Song zusammen schreiben, dann wird er immer diese leicht melancholische Stimmung haben, ohne dabei tieftraurig zu werden.

BETT & WIN

Er dümpelt bereits seit Jahren zwischen Glücksratgeber und „Die Milchmörderin aus Smörrebröd“ vor sich hin. Der „Schinken“. Hygienisch einwandfrei, weil nie benutzt. Zu schwer, zu sperrig, zu monumental, diese Goethes, Hebbels, Stifters und Co. Wirklich? Wir haben sie trotzdem aus dem Regal gezogen, fanden Bekanntes, Unbekanntes, Wahnsinniges – kurz: erstaunlich gute alte Seiten. Aber lest selbst: Iwan Gontscharow: Oblomow „Gooontscharow! Oblomow! Kenn’se nich? Na, dann könn’se ja gleich Design bei der Müllabfuhr studieren!“ Diese herzliche Leseempfehlung meines ehemaligen Literaturdozenten verfolgte mich irgendwie jahrelang. Ich trug sie vor mir her, schob, verdrängte, (er-)fand Ausflüchte … und „handelte“ dabei unwissentlich ganz im Sinne des Protagonisten. Denn so gut wie nichts anderes „tut“ auch der lethargische Adelsspross Ilja Iljitsch Oblomow über die gesamte Erzählung hinweg, die bei Literaturfans weltweit Kultstatuts genießt. Handlung – wozu? Ein Handlungsträger, der nicht handelt. Das muss man sich erstmal trauen. Zumal es wahrlich höchster Erzählkunst bedarf, den Plot eines über 700 Seiten dicken Romans hauptsächlich im und um das Bett der Hauptfigur anzusiedeln, ohne den Leser dabei selbst komplett zu „oblomowisieren“. An der …

Irgendwas mit Äpfeln???

Wahrscheinlich hast Du schonmal irgendwo irgendwas davon gehört, es nennst sich NLP, die Neuro-Linguistische Programmierung. Dabei geht es darum, die Psyche eines Menschen durch gewisse Sinnesreize  (hören, schmecken, fühlen, riechen und sehen) zu manipulieren. Ein bekanntes Beispiel, dass diese Verhaltensmodifikation nicht nur auf den Menschen beschränkt ist, ist der Pawlowsche Hund. Jedes Mal, bevor der Hund sein Futter bekommt, wird ein Glöckchen geläutet. Nach einer gewissen Zeit verbindet der Hund das Läuten mit „Gleich gibt’s was zu Essen“ und fängt an zu sabbern, eine Neuro-Linguistische Programmierung hat stattgefunden; Glöckchen = Futter. In früheren Zeiten, bevor es Mobiltelefone und elektronische Terminkalender gab, war der berühmte „Knoten im Taschentuch“ eine beliebte Methode, sich wichtige Dinge zu merken, ebenso einfach wie genial. Falls es etwas Wichtiges gab, hat man sein Stofftaschentuch genommen und einen Knoten reingemacht. Man ging dann seiner gewohnten Tätigkeit nach und musste nicht dauernd angestrengt versuchen, etwas im Hinterkopf zu behalten, um es nicht zu vergessen. Im Laufe des Tages hat man dann irgendwann (wahrscheinlich zum Naseputzen) zum Taschentuch gegriffen, bemerkte den Knoten, wusste wieder …

Berühmt & berüchtigt / Das Studio schreibt 15 Jahre Clubgeschichte

Ich weiß noch genau, wie es war – mein erstes Mal mit dem Studio. Ich war gerade 18 und wir schrieben das Jahr 2006. Schon damals schallte die Mundpropaganda über den Club lauter als die Musik auf der Tanzfläche: Man kam angeblich als Gentleman nur mit Anzughose rein und als Lady mit High Heels. Eigentlich gar nicht mein Ding, denn ich trug Turnschuhe mit Klettverschlüssen an den Füßen und wilde Locken auf dem Kopf. Und hatte Schiss, nicht schick genug zu sein. Trotzdem reizte mich irgendwas an dem Laden. Deshalb sagte ich zu, einen Artikel zu schreiben über einen Abend mit DJ Richard Dorfmeister. Außerdem liebte ich die Kruder & Dorfmeister Sessions. Vor der Tür gab es damals noch keine Schlange bis hinüber zur Kirche, in stilvollem Ambiente wurde geraucht und die Lounge war in schwarzes Leder getaucht. Trotz der vielen High Heels wurde mein erster Abend großartig. Aber nicht allein wegen der Musik. Es war eher ein Eintauchen in ein Gefühl, das man eine Nacht lang auskostet. Wie alles begann Vielleicht liegt dieses besondere Gefühl …

Stadtgeschichten

JUGEND VON HEUTE  AM SANDERRING Zwei coole Jungs, etwa zehn Jahre alt, spazieren abends mit Skateboards unterm Arm und Cappy auf dem Kopf am Sanderring um die Ecke und philosophieren: „Ey, überall diese Handys, die nerven total, die Jugend von heute weiß gar nicht mehr, wie das Leben ohne Handy funktioniert … ständig glotzen alle bescheuert auf den Bildschirm und sehen die Welt gar nicht mehr … mich nervt das total. Ich will auf keinen Fall eines haben!“     VORARBEITER EINER BAUFIR MA ERKLÄRT MIR SEINE MITTÄLGLICHE TEAMBUILDING-MASSNAHME: IM TREPPENHAUS „A guats Deam is sau wichtig: Wenn der Stefan (Mitarbeiter) zum Mittach halt e mal n Göger (Hähnchen) ess will, dann hol ich ihm ennen … weil der Stefan muss auch ordentlich abdrücken: drei Kinder von drei Frauen: Da wesst wos Geld hinleft!“     INNENSTADT IM HANDYLADEN Hallo , KANN ICH DAS BITTE WIEDER HABEN? Ich kaufe mit einer Freundin ein neues Telefon. Genauer gesagt ein Handy, welches gerade sehr begehrt, weil neu, ist. Sie bekommt es als gute Kundin als eine der …

Musik trifft auf Glaube

1.000 Chorproben, 160 Gottesdienste, 40 Konzerte „Wir machen Musik bis jeder beschwingt singt“, ertönt es aus dem Probenraum. Die Mädchen des Vorchors singen ein neues Begrüßungslied. Die jungen Stimmen klingen noch ein wenig wirr, ab und zu wird das ein oder andere Wort vergessen, genuschelt, ausgelassen. Aber das macht nichts, denn genau deswegen üben die Kleinen fleißig zusammen mit der Chorleiterin Frau Horn. Schließlich wollen sie professionelle Sängerinnen werden. Dass das jede Menge Übung, die richtige Körperhaltung und einen entspannten Kiefer erfordert, lernen sie bereits im Grundschulalter auf spielerische Art und Weise. Der Vorchor der Mädchen und Jungs ist die Grundlage für die Mädchenkantorei und die Domsingknaben. Die Kinder bilden die Basis, sie sind die Zukunft der Dommusik. Weniger verspielt, dafür ein ganzes Stück konzentrierter geht es in der Probe des Konzertchors zu. Hier probt Domkapellmeister Christian Schmid zusammen mit den Domsingknaben für bevorstehende Konzerte und Auslandsreisen. Noten und Liedtexte lesen die Chorsänger aus ihren Musikmappen. Beim Singen müssen sie auf sprachliche und individuelle Aspekte sowie auf die Artikulation achten. Die Stimmen klingen stark, laut und …