Autor: Liebe Nachbarn

Capoeira – Die Muskelkater Flatrate

Für zwei Minuten denke ich nichts, gar nichts. Meine Bewegungen folgen nur meinen Reflexen. Ich spüre nicht das Zittern meiner Muskeln, nicht den Schweiß auf meiner Stirn, nicht den harten Boden unter meinen nackten Füßen. Beinahe alles um mich herum versinkt; die Gesichter der Menschen ziehen pfeilschnell vorbei, einzig ihr Gesang, die Musik und der Rhythmus strömen durch meinen Körper und Geist. Es gibt nur mich, mein Gegenüber und den Augenblick. Es gibt nur Capoeira. Capoeira ist Geschichte Zwei Minuten. Dann streckt er seine Hand aus, ich reiche ihm meine und wir verabschieden uns, kehren beide zurück in die Realität, es war ein gutes Spiel, schnell und vor allem präzise, das ist Capoeira. Nüchtern betrachtet und laut Definition eines bekannten Internetlexikons ist Capoeira ein „brasilianischer Kampftanz“. Emotional betrachtet ist Capeira das, was in den ersten Zeilen dieses Textes beschrieben wird. Einzigartig, voller Adrenalin – in erster Linie natürlich für die „Capoeiristas“, die sich in der „Roda“ (dem Kreis) gegenüberstehen und in einer Art Dialog abwechselnd Angriffs- und Verteidigungstechniken austauschen, ohne sich dabei jedoch ernsthaft zu …

Klingelstreich

UND WAS TREIBST DU SO? Ein junger Mann öffnet die Tür. Mit Löckchen und einem verschmitzten Grinsen. Er erinnert ein bisschen an Tim Bendzko oder einen sehr gut aussenden Thomas Müller. Wie ich erfahre, hört er das sehr oft – hält von dem Vergleich aber nicht viel. Um den Hals hat er ein Maßband hängen und man sieht, dass er mit dem Thema Mode vertraut ist: Bei seinem Outfit passt jedes Detail. Trotzdem sieht es extrem lässig aus. Es ist früher Abend, als ich mir die Dreistigkeit herausnehme, an wildfremden Türen zu klingeln. Dominik Joachim heißt der Blondschopf, der seine Haustür öffnet. Er ist 21 Jahre alt und wohnt mit seinem Kumpel in einer WG in Grombühl. Wenn er sich nicht gerade Gedanken über Klamotten für sein Label  macht, verkauft er welche. Man merkt, dass er öfter mal spontan ausgefragt wird. Sonderlich unwohl scheint er sich nicht zu fühlen:  Auf doofe Fragen bekommt man meistens eben auch doofe Antworten: Warum hat es so lange gedauert, bis Du die Tür geöffnet hast? Unser Türöffner, oder wie …

Stadt Geschichten

USB-BUS Ich finde es ja super, dass es jetzt bald öfters auch in den öffentlich Verkehrsmitteln USB-Buchsen zum Aufladen von Handy-Akkus gibt. Aber nun meine Frage, liebe WVV: Hat die Straßenbahn noch genug Saft zum Fahren, wenn die komplette 7b des Riemenschneider-Gymnasiums gleichzeitig „Clash of Clans“ am Handy zockt und dabei ihre Akkus auflädt?! Sicherlich nicht! An einer Bushaltestelle … … stehen ein Vater und dessen kleine Tochter. Das Mädchen tänzelt auf einer Mauer herum, kommt wenig später mit ausgebreiteten Armen auf ihren Papa zu und umarmt ihn. Lautstark ruft die Kleine plötzlich: „Papa … du musst auch mal wieder duschen.“ Verlegen, ja gar etwas mürrisch, schaut sich der Mann um: „Ich hab doch gestern erst gebadet.“            von Lisa Moug   In die Tüte lachen. TEGUT SANDERAU Als treuer Tegut-Kunde weiß man spätestens, seit die allerbestgelaunteste Oberkassiererin Rita(-Lin) in Rente ging, dass hier irgendetwas anders läuft … Unter den Kassiererinnen herrscht immer eine spitzen Laune. Letzten Dienstag war die „Junge mit der großen Brille“ so erheitert, dass sie beim Artikelscannen, …

Der Frühling wird wuschig

Ein neuer Frühling – und viele neue Pläne. Große Pläne. Die Dinge endlich mal anders machen. Möglicherweise sogar was Sinnvolles, Ökologisches, Foodtruck-Artiges, mit viel Reisen und so. Ein Start-up gründen, oder gleich zwei, die Welt ein bisschen verändern, das „eine große Ding“ aus dem Boden stampfen. Viele von uns tragen solche Gedanken mit sich herum. Und dann kommt er wieder um die Ecke, der geliebte Alltagstrott – und irgendwie bleibt doch wieder alles beim alten. Doch wieso wollen wir eigentlich immer gleich alles auf den Kopf stellen? Vielleicht ist es 2017 an der Zeit, mal einen Schritt zurückzutreten und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Denn oftmals genügen eben schon kleine Veränderungen in unserem Leben, damit wir uns besser fühlen, glücklicher sind und zufriedener durch den Tag gehen. Probiert es einfach mal aus: Geht raus in die Natur, in den Park, lasst die Frühlingssonne Eure Haut wärmen, fahrt euch mit den Händen durch die Haare, verwuschelt sie – und erdet Euch ein klein wenig. Wetten, dass Ihr dann genau wisst, was Ihr als Nächstes zu …

Wenn der Berch ruft

Nicola Thomas, auch Nicki genannt, hat es von Würzburg nach Erlangen gezogen. Wegen des Studiums natürlich. Was sie genau macht, und vor allem warum, erzählt sie Euch nachfolgend selbst … Würzburg, meine Heimat, meine Liebe und der Mittelpunkt meines Bachelorstudiums in Philosophie, Religion und Germanistik. Nach einer kurzen Panik, mein Herr Papa könnte Recht haben – und ich mit diesen „brotlosen Künsten“ auf der Straße landen, entschied ich mich: Das kann noch nicht alles sein, ein Master muss her. Am besten mit Praxisbezug, aber trotzdem mit Muse für mein geisteswissenschaftliches Gemüt. Und bitte nicht zu weit weg von Main, Wein und Freunden. Und ohne Mathe. So lockten sie mich von Würzburg weg nach Erlangen – schöne Stadt, ein Mango-Laden, Bergkirchweih, Bier – zum Master Medien-Ethik-Religion. „Irgendwas mit Medien“ also. Nun im Ernst. Nach wie vor werde ich schräg angeschaut, wenn ich sage, was ich studiere. Keiner kann sich etwas darunter vorstellen, doch eigentlich betrifft es uns alle jeden Tag, jede Stunde und auch gerade jetzt in diesem Moment. Nicht nur „irgendwas mit Medien“ TV, Netflix …

Musical-Fieber

Der große Traum vom Musical. Das dachten sich auch Burcu und Terry – zwei leidenschaftliche Tänzer aus Kitzingen – und machten sich deshalb auf den Weg nach Norwegen in die Stadt Stavanger. Innerhalb kürzester Zeit wurde geplant, gepackt und dann aufgebrochen. Obwohl beide auf dem tänzerischen Gebiet schon sehr viele Erfahrungen gesammelt hatten und auch in einer Würzburger Tanzschule unterrichten, war ein Musical bisher Neuland für die beiden. In dem kalten Land mit wenig Sonnenlicht entstand schließlich in kürzester Zeit das Musical „Mysteriet på Stavangeren“. Ihr beide habt bei einem Musical in Norwegen mitgewirkt. Wie kam es dazu? Burcu: Ich habe Valentina Reyes, die Initiatorin des Musicals, letztes Jahr im Januar in Frankfurt bei ihrem Workshop kennengelernt. Wir sind direkt sehr gut miteinander klargekommen. Auf einer Grillparty einer Freundin, auf der wir beide eingeladen waren, erzählte sie mir dann von ihrer Idee. Daraufhin kam dann auch die Anfrage ihrerseits. Terry: Die Produzentin habe ich durch Burcu kennengelernt. Wir verstanden uns gut und sie erzählte uns von ihrer Idee. Nach ein paar Monaten schrieb sie mich an …

Vom Main zur Weltmeisterschaft

Mal ehrlich: Viele Würzburger haben sich mit dem Thema Rudern höchstwahrscheinlich noch nie wirklich auseinandergesetzt. Wir von Liebe Nachbarn dachten uns deshalb: Es ist Zeit, dies zu ändern. Deshalb haben wir Anneke und Joachim, zwei junge Ruderer des akademischen Rudervereins Würzburg, eingeladen und ihnen ein paar Fragen zum Thema Rudern gestellt. Und los geht’s! Wann habt ihr mit dem Rudern angefangen und wie kam es dazu? Anneke: Ich bin das allererste Mal 2009 im Ostertrainingslager des akademischen Rudervereins gerudert. In der fünften Klasse kamen Leute des Vereins zu uns in die Schule und haben für das Trainingslager geworben. Ein paar Freunde von mir sind auch mit ins Lager gekommen – ich war allerdings die einzige, die danach weitergemacht hat. Joachim: 2005 – in der sechsten Klasse wurde bei der Einführung des Schulruderns ein Ruderergometer mit in die Schule gebracht. Dieses durfte jeder einmal ausprobieren. Da wurde mein Interesse geweckt und ich bin zum Schulrudern gegangen. Ab wann wusstest ihr, dass ihr das leistungsmäßig machen möchtet? Anneke: Beim Übergang zwischen Kindermannschaft und Junioren. Mit 14 Jahren …

Es gibt viele Menschen, die verzweifelt, einsam oder traurig sind – ein Telefongespräch mit jemandem, der zuhört, kann da oft ein kleines Wunder bewirken. Dafür ist die TelefonSeelsorge da. Sie ist das ganze Jahr über – auch an Weihnachten und Neujahr – eine große Stütze für viele Menschen. Wir haben mit Ruth Belzner, seit 20 Jahren Leiterin der TelefonSeelsorge in Würzburg, gesprochen. In Liebe Nachbarn erzählt sie von den Herausforderungen, die die Arbeit als „Telefonseelsorger“ mit sich bringt. Wie viele Anrufe bekommt die TelefonSeelsorge im Schnitt pro Tag? Ruth Belzner: Im Schnitt klingelt das Telefon 53 Mal täglich – davon kommt es in 38 Fällen zu einem Seelsorgegespräch mit durchschnittlich etwa 22 Minuten Dauer. Die anderen Anrufe sind Aufleger oder Anliegen, für die wir uns nicht zuständig sehen. Bekommen Sie zu den Weihnachtsfeiertagen vermehrt Anrufe? Wenn ja, woran könnte das liegen? Nein, die Zahl der Anrufe steigt in diesen Tagen nicht. Das liegt zum einen vermutlich daran, dass unsere Auslastung ein Mehr ohnehin kaum zulässt. Zum anderen sind Menschen, die an diesen Tagen wegen Einsamkeit …