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Die neue DSGVO Verordnung

Der Datenschutz im Arbeitsverhältnis – wie hat der Arbeitgeber mit meinen Daten umzugehen? Am 25.5.2018 ist die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) zusammen mit dem reformierten Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) in Kraft getreten. Durch die Reform wurde auch der Beschäftigtendatenschutz erheblich gestärkt. Der nachstehende Beitrag liefert einen Überblick über die wesentlichen Rechte und Pflichten des Arbeitgebers im Umgang mit den Daten des Arbeitnehmers (Beschäftigtendatenschutz):

Darf mein Arbeitgeber Daten über mich sammeln? Wenn ja, welche? Die Verarbeitung personenbezogener (Beschäftigten-) Daten ist dem Arbeitgeber grundsätzlich verboten, wenn sie nicht ausdrücklich vom Gesetz erlaubt ist oder der Arbeitnehmer der Datenverarbeitung zugestimmt hat. Personenbezogene Daten von Beschäftigten dürfen von Gesetzes wegen für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses verarbeitet werden, soweit dies für die Begründung, Durchführung oder Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses erforderlich ist, § 32 BDSG. Für andere Zwecke bedarf es der Einwilligung des Arbeitnehmers, wobei diese nur wirksam ist, wenn der Arbeitnehmer darauf hingewiesen wird, dass er diese jederzeit widerrufen kann.

Darf der Arbeitgeber Bewerberdaten speichern?
Die Speicherung personenbezogener Daten darf nur zweckgebunden erfolgen. Ist die Stelle einmal besetzt, besteht kein Grund mehr, die Informationen der abgelehnten Kandidaten aufzubewahren. D
a es jedoch auf der Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) zu einer Klage von Seiten der Bewerber kommen kann, dürfen Unternehmen die Daten aufbewahren, solange sie mit Auseinandersetzungen mit nicht berücksichtigten Bewerbern rechnen müssen. Die zulässige Aufbewahrungsdauer beträgt maximal sechs Monate. Behält sich der Arbeitgeber vor, die Bewerbung für zukünftig zu besetzende Stellen aufzubewahren, bedarf dies der Zustimmung des Bewerbers. In jedem Fall ist es dem Arbeitgeber untersagt, die Daten an Dritte weiterzugeben.

Welche Fragen darf der Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren stellen? Die Fragen nach einer bestehenden Schwangerschaft, nach dem Familienstand und dem Glauben, der politischen Überzeugung und der Herkunft sind gänzlich unzulässig.  Fragen nach einer Schwerbehinderung, vorhandenen Krankheiten, Vorstrafen und zu den Vermögensverhältnissen können zulässig sein, wenn diese sich auf die konkrete Tätigkeit auswirken.

Darf der Arbeitgeber meine Daten an Dritte
(z.B. Behörden) weitergeben oder anderweitig
veröffentlichen?
Nein! Der Arbeitgeber ist grundsätzlich ohne Einwilligung des Arbeitnehmers nicht berechtigt, personenbezogene Daten, die für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses erhoben worden sind, an Dritte weiterzuleiten. Werden die erhobenen Daten allerdings zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder zur Verfolgung von Straftaten benötigt, ist die Weitergabe an die Behörden zulässig.

Darf der Arbeitgeber meine E-Mails lesen? Hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die private Nutzung des betrieblichen E-Mail-Kontos nicht gestattet, kann er den E-Mail-account einsehen – Gleiches gilt für sonstigen dienstlichen Schriftverkehr. Schwierig wird es hingegen, wenn die private Nutzung des
E-Mail-Accounts vom Arbeitgeber gestattet wurde. In diesem Fall darf der Arbeitgeber die E-Mails nur lesen, wenn er ein berechtigtes Interesse geltend machen kann, etwa wenn zu befürchten steht, dass dem Arbeitgeber durch die mangelnde Einsicht in die E-Mails ein großer Schaden droht.

Darf der Arbeitgeber meinen Arbeitsplatz über-wachen? Grundsätzlich wird zwischen der Videoüberwachung im öffentlich zugänglichen (z. B. Bahnhöfe, Kaufhäuser) und im nicht öffentlich zugänglichen Bereich (z. B. Werksgelände, Lager oder Personalräume) unterschieden.

Bei öffentlich zugänglichen Flächen und Arbeitsplätzen ist die Videoüberwachung  nur erlaubt, soweit sie zur Aufgabenerfüllung öffentlicher Stellen, zur Wahrnehmung des Hausrechts oder zur Wahrnehmung berechtigter Interessen für konkret festgelegte Zwecke erforderlich ist und keine Anhaltspunkte bestehen, dass schutzwürdige Interessen der Betroffenen überwiegen. Auf die Videoüberwachung muss hingewiesen werden. Eine Videoüberwachung in Bereichen, die überwiegend der privaten Lebensgestaltung der Beschäftigten dienen (Sozialräume, Schlafräume, Toiletten etc.), ist dagegen grundsätzlich unzulässig.

Eine verdeckte Videoüberwachung ist nur in sehr eingeschränktem Umfang erlaubt: Es muss ein konkreter Verdacht hinsichtlich einer strafbaren Handlung oder einer anderen schweren Verfehlung zu Lasten des Arbeitgebers vorliegen; weniger einschneidende Mittel müssen ausgeschöpft sein; die Videoüberwachung darf als einziges Mittel verbleiben und darf insgesamt nicht unverhältnismäßig sein.

Was passiert mit meinen Daten, wenn ich das Unternehmen verlasse? Der Arbeitgeber ist zur Löschung sämtlicher Daten verpflichtet, soweit nicht noch Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis bestehen (Zeugniserteilung, Zahlungs-ansprüche usw.) oder Spezialvorschriften Aufbewahrungspflichten vorsehen, Art 17 DSGVO. So müssen Lohn- und Gehaltsunterlagen z. B. bis zu 10 Jahre aufbewahrt werden.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber gegen den
Datenschu
tz verstößt? Bei besonders schwerwiegenden Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 20 Millionen EUR oder bei Unternehmen bis zu  vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahrs, wobei der jeweils höhere
Betrag als maximale Buße verhängt werden kann.

Die Experten von Reitmaier Rechtsanwälte beraten und vertreten auf dem Fachgebiet des Bank- und Kapitalmarktrechts, Strafrechts / Compliance, Wirtschafts- und Arbeitsrechts sowie Veranstaltungsrechts. Ein Team von sechs Anwälten berät Unternehmen sowie Privatpersonen zu rechtlichen Belangen.

Weitere Informationen findet Ihr auf der Website der Reitmaier Rechtsanwälte.
Link: https://www.reitmaier-rechtsanwaelte.de/

Liebste Nachbarn

Der Sommer ist vorbei. Die Ferien sind rum. Ausgelutscht. So schnell. Wir wollten so unendlich viel unternehmen und erleben … doch die Zeit ist erbarmungslos in unseren Fingern
weggeschmolzen und hinterlässt ein klebriges, aber schönes Gefühl an die letzten warmen Monate.

Jetzt beginnt wieder der Ernst des Lebens: Die Schule, später die Uni, im Job muss man langsam wieder E-Mails beantworten, die das Postfach überfüllen – und man hofft vergeblich auf das Urlaubsboni-Verständnis von Kollegen und Kunden.

Wir waren unterwegs in diesem heißesten Sommer ever, haben uns tief in die Nachbarschaft hineingeforscht und konnten – obwohl wir glaubten, Würzburg eigentlich schon wie unsere Westentasche zu kennen – jede Menge Neues entdecken: … in den leeren, heißen Strassen im August … im zwischen-nachbarschaftlichen Miteinander am Campingplatz Kalte Quelle … und in den Handschrift-Schatzkisten von Klaus Meixner.

In diesem Sinne: Betrachtet dieses Heft wie die Erinnerung an ein sommerliches Eis: – süß, lecker aber leider auch vergänglich – und schleckt es (inhaltlich) genüsslich aus 😉

DIE LIEBEN NACHBARN

Balance

wendy, darling,
immer wenn die flucht nach vorn
der letzte ausweg ist, um land zu gewinnen
wenn jeder wegweiser flüstert:
geh nirgendwohin, geh nimmerwohin
wenn nichts gutes ist an diesen dingen
dann hilft nur anlauf nehmen und springen

und wenn früher dein plan war,
mit peter pan fortzuziehen und jetzt deine zeitbomb
im herz lauter tickt, als die uhr in den krokodilen
dann musst du aufhören zu fragen
dann musst du anlauf nehmen und fliegen

wenn peter pan dir seine hand reicht
und sagt fass mich nicht an
niemand darf peter pan anfassen
dann musst du anlauf nehmen
und die richtung den besseren straßen anpassen

es gibt nichts das irgendetwas an irgendetwas ändert

und: wendy, du weißt es,
dort, wo kein schatten ist
da vermissen wir schmerzlich das licht,
das wir vorher immer hatten
und was später davon übrig ist
legt sich metallen und ohne farbe um deinen nacken

er ist nur verloren gegangen, denkt sie sich
my lost boy
und nimmer nimmer land in sicht
das es zu gewinnen gibt für dich, mein freund

and i know that my heart is a heavy one
it was heavy right from the start

sagt wendy – und:
zurücklassen ist immer besser als zurückgelassen
zu werden
da nimmt sie anlauf
und es knirscht als ihre füße sich zwischen boden
und tatsachen erden

immer die frage
wie man die balance halten kann
wenn das herz auf einer seite so sehr zieht
immer die frage
ob man die balance halten soll
wann das herz auf seiner seite so schwer zieht

und liebeskummer, schrieb sie mir,
ist doch auch nur eine form von heimweh
doch wo das zuhause ist, weiß ich nicht
und heimat ist der moment
in dem ich peter pan endlich weinen seh
den junge, den keiner anfasst und der niemals weint
das ist der versuch zu bleiben, wo niemand bleibt

wendy, sag ich, wendy, er wird es niemals tun
und du wirst nie glauben, dass es so ist

und wendy antwortet mir:
ich such doch nur beständigkeit
in einer welt in der mir ständig kalt ist
in der ich ständig halt vermiss
in der meine hülle nicht rissig wird
wenn ich peter pan verlier

an dieser stelle, ich wiederhole, an dieser stelle
sollte eine erinnerung sitzen
aber statt momenten im kopf
erkenne ich nichts zwischen den neuronenblitzen

wenn du fragen stellen willst
was war und auch was sein wird
sei leise, ich bitte dich,
bevor die fragen einer hört

und wendy nimmt allen mut zusammen
– der letzte gedanke an peters gesicht –
sieht aus dem fenster hinaus spricht ins leere und sagt:
peter pan, weil keiner dich berühren darf
damit du nicht zerbrichst
musst du auch mich vergessen
damit du bleibst wer du bist

denn alle kehrten eines tages zurück
nur du nicht, my lost boy
weil du sogar das zurückkehren vergisst

und wendy wächst und die zeit vergeht
und wendy lässt das fenster für peter pan offen
doch den jungen der sich nicht berühren lässt
den hat sie nie wieder getroffen

das schlimmste ist, sagt wendy zu mir,
das schlimmste ist
wenn dir niemand folgt
um dich zurückzubringen

und als sie sich umdreht, flüstert sie
gesprungen bin ich
aber es war dann wohl nichts mit dem fliegen

und eines tages
aber das weiß sie noch nicht
wird peter pan wieder kommen
doch sie ist dann nicht mehr die, die sie heute noch ist
und die erinnerungen verschwommen

wendy sagt:
das mit der balance, das üb ich nochmal
und auch das mit dem vergessen
und dann dreht sie sich um
um ihren schatten zu küssen

Text: Pauline Füg

Das Ding mit dem Weiss

Ich schau zu meinem Kumpel, deute auf den Fleck Tomatensauce auf seinem weißen T-Shirt und grinse über beide Ohren: „Oh Mann, ey, ICH HAB’S GEWUSST!“ stöhnt er und versucht sich mit Spucke und Daumennagel an der Schadensbegrenzung … erfolglos.

„Hey Ulf, ich hab ne total suuuper Idee! Lass uns doch in der Fußgängerzone, also so KOMPLETT DURCH DIE INNENSTADT, einfach mal weißen Stein verlegen!“ „Mensch Herbert, der Knaller! So mach ma des! Des sieht bestimmt dodaaal gut aus! Du, ich sag’s mal dem Chef, den Frieder kenn ich gut vom Tennis!“

Dafür, dass man sich vor der Umsetzung eines bestimmten Machwerks überlegt, welche Eigenschaften das betreffende Machwerk im Idealfall aufweisen sollte, gibt es eine Umschreibung: „Gesunder Menschenverstand“. Es scheint irgendwo bei den Städteplanern eine neue Richtlinie zu geben oder ein neues „Kompetenzbüro“ eingerichtet worden zu sein, dessen Ziel es ist, das Rad neu zu erfinden – und das, falls möglich, dreimal so teuer und halb so effizient; Willkommen im Öffentlichen Dienst. Da ich selbst im Öffentlichen Dienst tätig bin, wundert’s mich kaum, dass früher oder später ein Ulf, ein Herbert und ein Frieder beschlossen haben, die Innenstadt sähe in Weiß doch viel schicker aus – und dabei vor lauter Begeisterung glatt vergaßen, dass Fußwege in der Regel auch benutzt werden.

Ich laufe die neue weiße Fußgängerzone entlang und denke mir, Mensch, die Kaugummis auf der Straße, die sind mir früher gar nicht so aufgefallen. Durch den deutlich besseren Kontrast auf dem hellen Hintergrund ertappe ich mich dabei, dass ich noch wesentlich genauer hinsehe als sonst. Ich fange an, Muster zu suchen: „Kaugummi, Kaugummi, Kaugummi, das könnte ein verschütteter Kaffee gewesen sein, Kaugummi, Kaugummi, Senf (wohl von einer Bratwurst), Kaugummi … und das? Igitt – das war wohl vom Hund …“ Naja, wie das bei solchen glorreichen Ideen meistens der Fall ist: Wird es toll, erscheint darüber ein Artikel in der Lokalzeitung, wird es … nunja … so wie es jetzt eben ist (und zu erwarten gewesen wäre), will es keiner gewesen sein. Man könnte zumindest aus den Fehlern lernen und sagen: Hey, okay, weißer Fußboden als Straßenbelag? Ganz schlechte Idee … Doch weit gefehlt!

Nicht nur in Würzburg erstrahlt die Innenstadt (vorübergehend) in Weiß, auch in Tauberbischofsheim hat man die Idee für gut befunden und eifrig umgesetzt. Dort war am Wochenende Altstadtfest. Zur „Schonung“ des Bodens hat man um die Imbissbuden Teppiche verlegt, da ja dort prinzipiell die Gefahr am größten ist, dass gekleckert wird. Eine weitere Maßnahme  bestand darin, dass nur noch Weißwein ausgeschenkt werden darf – der Verkauf von Rotwein in der Innenstadt wurde untersagt, kein Scherz! In Würzburg müssen die Bauarbeiter auf dem Gehweg schwarzes Fließ ausbreiten, um die Steine nicht zu „beflecken“ – und man denkt sogar darüber nach, ob man die Kaugummis nicht mit einer Vereisungsmaschine und einer Spachtel entfernen könnte. Aber hey, wieso denn auch die Fußgängerwege wie früher teeren? Das war viel zu billig, man hat die Kaugummis drauf nicht gesehen – und Schäden konnten auch viel zu leicht ausgebessert werden!

Mir geht das alles nicht weit genug! Ich fordere, dass am Eingang der Fußgängerzone ein Ordnungsbeamter steht, der jedem Passanten in den Mund schaut und diese widerwärtigen Kaugummis konfisziert! Für Kaugummischmuggel verlange ich die Auferlegung von Sozialstunden, der Strafenkatalog soll sich hierbei nach Größe und Farbe des Kaugummis orientieren: einzelnes weißes Kaugummidragee: fünf Stunden; klassischer Kaugummistreifen (z. B. Wrigley Doublemint), sieben Stunden. Der Hubba-Bubba BubbleTape „new mistery flavor“ ist mit einer Sozialstunde pro Zentimeter zu vergelten! Weiterhin verlange ich das Verbot schwarzer Schuhsohlen (wie man es ja bereits vom Hallensport kennt), Personen mit dunklen Sohlen können wahlweise Barfuß durch die Innenstadt oder bekommen Leihpantoffeln ausgehändigt. Hunde und Kinder unter fünf Jahren sind an der Leine und mit Windel zu führen, das Mitbringen von Speisen und dunklen Getränken ist untersagt, Kaffee wird nur noch mit wenig Pulver und viel Milch verkauft. In Anbetracht der aktuellen Kosten halte ich diese Maßnahmen für vertretbar, ich bin Öffentlicher Dienst, ich darf das!                                                

Text: Sebastian Fiedler

Original Handschriften

„Wenn ich nachts nicht schlafen kann, wühl ich mich durch meine Dokumente.“ Klaus Meixner handelt mit Autographen – und besitzt eine beeindruckende Sammlung von mehreren tausend Schriftstücken. Wir haben ihn in seinem Archiv besucht und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Lest selbst.

„Ob ich Interesse hab? Meinst du das ernst?“ Meine spontane Reaktion auf das Angebot, ein Interview mit einem Würzburger Handschriftensammler zu führen, lässt Nico grinsen. „Hab ich mir fast gedacht“, antwortet er. Eine Woche später machen wir uns also mit Kamera, Block und Kuli bewaffnet auf den Weg in die Friesstraße – dort befindet sich das Fachantiquariat des Autographen Klaus Meixner.

Zugegebenermaßen hab ich mich nicht gerade wahnsinnig intensiv auf das Interview vorbereitet. Ein wenig recherchiert und zur Sicherheit nochmal die Definition des Worts Autograph gegoogelt. Interviewfragen hab ich mir für den Fall der Fälle zwar notiert, war mir aber sicher, dass all meine Fragen sowieso ganz von selbst aus mir heraussprudeln würden, weil ich das Thema so spannend finde. Dementsprechend habe ich auf dem Weg zum Interview nur eine vage Ahnung, was mich erwartet – Nico geht’s genauso, verrät er mir. Wobei der nach seinem Telefonat mit Herrn Meixner schon einen ersten Eindruck von ihm gewonnen hat: „Klingt nach einem echt netten, witzigen Herren – ich freu mich auf unser Gespräch mit ihm.“ Ich auch.

Als wir klingeln, passiert erstmal eine Weile nichts. Schließlich macht sich die Sprechanlage aber doch bemerkbar und eine fröhliche Stimme meldet sich zu Wort – wir sollen einfach hochkommen, zweiter Stock. An der Wohnungstür strahlt uns Klaus Meixner entgegen und heißt uns willkommen. Offenbar ist er bester Laune. In Jeans und barfuß. Steif wird unser Aufenthalt hier also schon mal nicht ablaufen, denke ich, und freue mich direkt noch ein bisschen mehr. Nico stellt uns als Nico und Lisa vor. „Ach, sehr schön – ich bin der Klaus, so ein förmliches Getue braucht doch kein Mensch!“ Er wird mir immer sympathischer, der Klaus.

„Dort hinten ist das Archiv“, erklärt er und zeigt auf einen Raum am Ende des Gangs. Die restlichen Zimmer seien seine Wohnräume. Hab ich’s mir also nicht eingebildet, dass es hier nach Essen duftet. Im Archiv angekommen, mache ich große Augen wie ein kleines Kind. Nico zückt sofort die Kamera. Staunend schauen wir uns um und sind fasziniert von all den Schachteln, Kartons und Kisten, die sich bis unter die Decke stapeln und fast aus den Regalen platzen. „Gibt es eigentlich bestimmte Vorschriften oder Regeln, die man beim Lagern von Handschriften befolgen muss?“, frage ich vorsichtig. „Nö“, antwortet Klaus. „Hauptsache, es kommt kein Licht ran und bleibt trocken.“ Na dann. Wir setzen uns an einen großen vollgeräumten Tisch mitten im Zimmer. „Schiebt den ganzen Kram einfach beiseite“, sagt Klaus und verkündet, dass wir ihm ruhig ganz ohne Scheu unsere Fragen stellen sollen. Das sei ihm lieber, als von sich aus loszuerzählen, er sei nämlich manchmal etwas schüchtern. Dann fängt er an, von sich aus loszuerzählen und ist überhaupt nicht schüchtern. Umso besser, denke ich grinsend und schreibe fleißig mit. Begonnen hatte alles mit einer Originalhandschrift, die dem Vater von Klaus Meixner während seines Studiums in die Hände fiel. „Dieses Schriftstück faszinierte ihn sehr. Daraufhin gab’s kein Halten mehr“, sagt Klaus und lächelt. Meixner Senior war ein erfolgreicher Bauunternehmer in Würzburg, sein eigentliches Interesse galt jedoch schon immer der Kultur. Irgendwann entstand in ihm der Wunsch, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Dass es für signierte Briefmarken, Sonderstempelkarten und andere Handschriften einen Markt gab, fand Klaus Meixners Vater besonders spannend – und so war der Grundstein für eine bald schon stetig wachsende Handschriftensammlung gelegt. 1973 meldeten seine Eltern das Geschäft an und Klaus war von Anfang an involviert.

Als später die Computer kamen, hatte er das Fachantiquariat bereit fast vollständig übernommen, das er bis heute voller Begeisterung allein weiterführt. „Läuft richtig gut“, plaudert Klaus aus dem Nähkästchen. Deutschlandweit kann man die Antiquariate, die sich ausschließlich auf Handschriften spezialisiert haben, an einer Hand abzählen. Meixners Fachantiquariat für Originalhandschriften hat sich im Laufe der Jahre einen Namen gemacht und ist eine wahre Fundgrube für Sammler aus aller Welt. Neben interessierten Privatpersonen und Journalisten umfasst die große Kundenkartei von Klaus Meixner auch Universitäts- und Staatsbibliotheken, (Literatur-)Archive und zahlreiche Institute. Ob zu Forschungszwecken oder aus Sammelleidenschaft – die Leute wenden sich immer gern an Herrn Meixner und suchen oft auch den persönlichen Kontakt. „Autographe sind Echtrealien, das Internet ist da gar nicht so spannend.“ Zwar handelt es sich bei dem Fachantiquariat um ein Versandarchiv, doch Klaus Meixner mag es, jemanden persönlich zu empfangen und sich gut zu unterhalten. „Ich liebe es, mit meinen Kunden interessante Gespräche zu führen und kenne einige meiner Stammkunden schon seit vielen Jahren.“ Besonders schön findet es der Würzburger Volkskundler, wenn er mit seinen Handschriften zur Erforschung eines bestimmten Sachverhalts beitragen kann. Kommen also Studenten, Doktoranden, Dozenten oder Professoren anlässlich ihrer wissenschaftlichen Arbeit auf den Handschriftensammler zu, lässt das sein Forscherherz höher schlagen. Am meisten Spaß macht ihm aber das eigene Forschen – echte Detektivarbeit, wie Klaus es nennt. Die schönsten Dinge nämlich gebe es nicht im Handel, sondern blieben oft lange versteckt und unbemerkt: „Wahre Schätze kann man zum Beispiel ganz klassisch auf Flohmärkten, aus Nachlässen, auf alten Dachböden oder in der berühmten Kiste des Großvaters entdecken – man muss nur etwas Glück haben.“ Dann könne einem schon mal eine Handschrift von Mozart, Schiller oder Alexander von Humboldt begegnen.

Als Autograph gilt übrigens alles, was handgeschrieben ist – originale Handschriften berühmter oder weniger berühmter Personen, Manuskripte, Dokumente, Urkunden, Briefe, Widmungsexemplare, Notizen, Postkarten, handschriftliche Erinnerungsstücke aller Art, Autogramme, Sammlungen, Nachlässe, Albumblätter, Korrespondenzen … „Und all das findet sich hier in diesen Schachteln?“, frage ich und werfe einen neugierigen Blick auf eines der vollgestopften Regale neben mir. „Ganz genau“, lacht Klaus. Er erklärt, dass es sehr wohl ein übersichtliches System gibt, nach welchem er seine Kostbarkeiten sortiert – auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht danach aussehen mag. „Was wollt ihr denn sehen? Vielleicht etwas von Adenauer? Heinz Rühmann? Wilhelm II.?“ Zielsicher zieht er eine der gefühlt tausend Schachteln aus dem Regal und zeigt uns ein altes Schriftstück mit wunderschönem Schriftzug. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass sich mein konkretes Geschichtswissen über Wilhelm II. etwas in Grenzen hält – aber jedenfalls hatte er eine beeindruckende Unterschrift, soviel steht fest. 180 Euro müsste man hinlegen, um dieses Schriftstück zu kaufen. Geht eigentlich, denke ich. „Die Leute sind oft überrascht über die verhältnismäßig erschwinglichen Preise von Autographen“, erklärt uns Klaus Meixner. Dass man für ein Autogramm von Willy Brandt nur rund 50 Euro und für eine Postkarte mit Gruß und Unterschrift von Hermann Hesse nur um die 200 Euro zahlen muss, hätte ich tatsächlich nicht gedacht. Die niedrigsten Preise in Meixners Sortiment beginnen aktuell bei etwa 5 Euro, z.B. für eine Sonderstempelkarte von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, und enden bei mehreren tausend Euro, beispielsweise für einen Brief von Wittgenstein oder Karl May. „Ich hatte auch mal eine signierte Graphik von Picasso; die hab ich für circa 2.000 Euro verkauft“, berichtet Klaus. Schon wieder bin ich überrascht; als Laie denke ich beim Namen Picasso gleich ganz blauäugig an Millionenbeträge.

„Sind eben keine berühmten Gemälde, um die es hier geht“, gibt Klaus schmunzelnd zu bedenken. Na gut. Aber faszinierend finde ich diese riesige Sammlung alter und neuer Originalhandschriften trotzdem. Die ältesten Schriftstücke in Meixners Archiv gehen bis ins Mittelalter zurück; die jüngsten reichen bis zur Gegenwart. Alles, was jemals in Klaus Meixners Besitz war, hat er kopiert. Nur kopiert – das muss reichen. „Man könnte alles ausufernd betreiben, aber das muss doch nicht unbedingt sein.“ Recht hat er. Obwohl die Zeit wie im Flug vergangen ist und wir eigentlich aufbrechen müssten, möchte ich unbedingt noch erfahren, ob Klaus einmal ganz besonders stolz war auf eine seiner Handschriften. Da muss er nicht lange überlegen: „Ich hatte mal einen echten Luther. Aus einem Nachlass. Das war eine ganz wunderbare Entdeckung!“ Aus Prinzip behalten würde Klaus Meixner aber keine Handschrift: „Ich habe mich entschieden, mit Autographen zu handeln – und ich freue mich über jedes Schriftstück, das durch meine Hände geht. Umso glücklicher aber macht es mich, wenn es auch andere bereichert. Schließlich sind Autographe nicht dazu da, in irgendwelchen Kartons zu verstauben.“ Herr Meixner – es war mir eine Ehre. Wenn Sie mal wieder was von Wilhelm Busch dahaben, melden Sie sich bei mir.

Wen es interessiert, was Klaus Meixner so alles anzubieten hat, oder wer beim letzten Flohmarktbesuch vielleicht sogar selbst auf eine interessante Handschrift gestoßen ist und diese auf ihre Echtheit prüfen lassen möchte – hier der Link zu Klaus Meixners Website:

www.autographen-deutschland.com

Text: Lisa Dillhoff; Fotos: Nico Manger

Im August

Im August ruht die Stadt. Sie ruht sich aus vom Lärm, vom Stress und von der Hektik. Vom  Menschen. Solange ich denken kann, ist das so im August. Als Jugendlicher war da nur dieses vage Gefühl, dass in diesem Monat irgendetwas anders ist. Undefiniert. Nach Jahren bilden sich Konturen, formen sich Muster und am Ende herrscht Gewissheit:

Der August ist ein Exot. Das könnte das vorläufige Ende dieses Textes sein. In einer Zeit, in der stumpfe Parolen und Protestschildsätze mehr Publikum erreichen als Erläuterungen, kann ich jetzt auch aufhören. Speichern, Laptop zu.

Der August ist ein Exot.
Der August ist ein Idiot.
Der August ist ein Chaot.
Und Steine hat er auch geschmissen!

Na gut, statt wütender Flüsterpost – der ganze Text:
In Deutschland, in Bayern, in Würzburg macht man im August:
Urlaub, Punkt. Entweder sind es die Sommerferien der Kinder oder der Kitas, die Semester- oder Betriebsferien, weil man es halt so macht oder schon immer so gemacht hat oder weil halt eh nur Wiederholungstatorte laufen. Ganz egal, aber Urlaub muss! Und so leert sich die Stadt …

Erst fällt auf, dass Parkplätze verwaisen – über Stunden, über Tage. Ungeahnter Freiraum entsteht. Dann fehlt der Verkehr. Tatsächlich fühlt es sich so an, als ob er fehlt. Der Lärm, die Geräuschkulisse, das Rauschen im Hintergrund, über Jahre dran
gewöhnt, wie an das Schnarcheln alter Hunde. Ab Anfang
August nimmt das ab. Von Tag zu Tag weniger – und irgendwann fehlt etwas.

Dem ungewohnten Fehlen folgt ein anderes, irrationaleres Gefühl, als müsse etwas passiert sein. Der inneren Weigerung, weniger Verkehrslärm in der Innenstadt für möglich zu halten, folgt die Überzeugung, etwas Großes, Absurdes oder gar Furchtbares wäre geschehen. Zu manchen Zeiten und an manchen Orten hört man jetzt gar nichts mehr. Es sei denn, man schafft es, am Großstadttinnitus vorbeizulauschen, denn dann hört man: Blätter. Blattwerkrauschen im Wind, mitten im Park. Ohne Auspuff, ohne Hupe, einfach Rauschen. Schaut man sich um, sieht man niemanden außer womöglich einer Amsel, die dich anschaut, als wüsste sie irgendwas. Die Amsel jedoch gibt den Geheimniskrämer, antwortet dem verwunderten Lauscher mit stoischem Blick und verzieht sich mit offener Gleichgültigkeit in die nächste Hecke. Viele Fragen, wenig Antworten und schon wird man zum Indizienrichter.

Die Straßen und Parks sind leerer, die Cafés ebenso und manche Restaurants haben gleich wochenlang geschlossen. Durch die Innenstadt kommt man, ohne vom Fahrrad abzusteigen, und muss dabei nicht einmal Junggesellenabschieden ausweichen. Es ist eine kurze Zeit im Sommer, in der auch kein großes Fest ansteht, kein Weinfest, kein Bierfest, kein Park-, Stadt-, Künstler-, Kontinent- oder Umsonstistdertod-Fest. Nichts.

Die Straßenbahnen sind kaum gefüllt und nachts erwischt man immer ein Taxi. Die Feierstraßen sind ruhiger, weniger verkotzt, und wenn man mal vergessen hatte den gelben Sack rauszustellen, merkt das nicht einmal jemand. Es beschwert sich auch niemand, klar, es ist ja auch niemand da. Menschen, die noch in der Stadt ausharren, benutzen ganz bewusst und selbstbewusst ihren Verstand statt der Fußgängerampel. Es hagelt auch keine Drohanrufe, wenn mal eine nicht funktioniert und nicht binnen Minuten oder umgehend repariert wird. Es ist ja niemand dahaaa! Ungeahnter Freiraum, für Mensch und Recht.

Um dann mal Ruhe in den Kopf zu bekommen, versuche ich mir manchmal selbst Irrationalität zu beweisen und zähle im Kopf die Sekunden, bis ich nach Verlassen des Hauses am Morgen dem ersten Menschen auf der Straße begegne. Wissenschaftlich fragwürdig. Trotzdem ein Weg, wieder Kontrolle zu erlangen, über den eigenen Kopf. 115, 116, 117 … 118 … 119 … 120. Niemand.

Das Treppenhaus, die Straße, der Sportplatz, der Fahrradweg, Liegeplätze am Main, Stehplätze bei den Brückenheiligen; alles  ist leer. Sicher, nicht völlig leer, und mein Kopf spielt sein Spiel, aber dennoch viel leerer als sonst – und wenn das so weitergeht hau ich auch ab, hier stimmt ja wohl was nicht! Und dann wieder diese Amsel und wieder dieser Blick … und dann … und dann … und dann … atme ich aus. Ich atme aus, immer weiter und immer mehr, bis irgendwann nichts mehr geht. Dann wieder ein, gleichmäßig und ruhig. Der Puls wird langsamer, der Blick klarer. Mehr Aus- als Ein-, das ist der Trick, das macht die Stadt.

Würzburg verlangsamt sich, beruhigt sich. Würzburg macht Yoga …und wir alle machen mit, kostenlos und nicht umsonst.

Text: Michel Mayr

Mietmode vs. Konsum Wahn?

Irgendwann am Anfang dieses Jahres, in den Tiefen des Internets, stieß ich auf Fashion-Flatrates. Ich war auf der Suche nach der Möglichkeit, ein Kleid für eine Hochzeit zu mieten statt zu kaufen. Solche Outfits zieht man meist ja sowieso nur einmal an.

Es machte mich neugierig und ich recherchierte, was es mit diesen Kleiderboxen auf sich hat. In den letzten Jahren hatte ich meinen Kleiderschrank radikal reduziert, da ich viel auf Reisen war. Auch mal wieder etwas anzuziehen, was kein praktisches Basic Teil ist, vermisste ich aber. Daher fand ich die Kleiderbox interessant. Es flogen mir dabei viele Begriffe entgegen: unendlicher Kleiderschrank, Kleiderbox, Mode ohne Kaufverpflichtung, Fashion ohne Bindung.

Bei verschiedenen Anbietern fand ich diverse Modelle. Alle haben gemeinsam, dass man monatlich einen Festpreis bezahlt. Die Preise und angeboteten Leistungen unterscheiden sich dann aber zum Teil stark. Manche senden einmal im Monat zwei bis drei Kleidungsstücke zu einem nach Hause. Es gibt auch Anbieter mit Augenmerk auf Eco-Designer, Mode aus Europa oder hochwertige Edelmarken. Ich entschied mich am Ende dafür, das Paket M von Myonbelle auszuprobieren. Hier bekommt man immer dann eine neue Auswahl zugesandt, sobald die vorherige Box samt Inhalt wieder bei ihnen angekommen ist. Der Retoureschein liegt in der Box schon dabei, man muss sie einfach nur wieder packen und zur Post bringen. Zudem ist das Abo monatlich kündbar. Für 49 Euro im Monat sollte ich ab jetzt entweder drei Kleidungsstücke oder zwei Kleidungsstücke und zwei Accessoires pro Box erhalten. Für mich war es der Anbieter mit der höchsten Flexibilität und der geringsten Bindung.

Die Klamotten werden vom Anbieter gereinigt und versendet. Wenn ein Teil besonders gut gefällt, kann man es auch einfach zum vergünstigten Mitgliederpreis behalten. Die Kleidung, die man zurücksendet, muss man nicht selbst waschen. Am Anfang legte ich mein Kundenkonto mit meinen Größen an und stöberte wie durch einen breit aufgestellen Onlineshop mit Kleidern und Schmuck. Statt etwas in den Warenkorb zu legen, verteilt man allerdings Herzen für die Stücke, die einem gefallen. Dadurch legt man einen persönlichen Kleiderschrank an und der Anbieter versteht den persönlichen Stil besser. Ich selbst erhielt kein Teil, das ich genau so online gesehen hatte, aber sie waren auf jeden Fall ähnlich.

Es war immer spannend, die nächste Box aufzumachen. In der ersten befand sich zum Beispiel eine weiße 7/8-Hose. Normalerweise nicht in meinem Kleidungsrepertoire, aber ich  wagte, durch die Mietmode auch mal andere Dinge auszuprobieren. Am häufigsten hatte ich hübsche Kleider in meinen Boxen. Auch wenn meine Freundinnen bezweifelt hatten, ob da überhaupt irgendetwas passen könne, hat in meinem Fall bis auf ein Kleid alles sehr gut gepasst. In meinem Kundenkonto gab ich meine Größen für Oberteile, Kleider, Hosen und Röcke separat an.

In jedem Paket ist ein Feedbackzettel dabei, in dem man seine Zufriedenheit zu Passform, Größe und Zustand mitteilen kann. Von daher eigentlich alles relativ einfach und unaufwändig. Am Ende kam ich dann trotzdem irgendwie nicht dazu, meine Box gleich wieder zurückzusenden, und hatte dadurch eine für ganze sechs Wochen. Am Anfang schickte ich die erste Box nach zwei Wochen, die zweite sogar schon nach vier Tagen zurück.

Bei der Überlegung, Mode zu mieten statt zu kaufen, spielte für mich einerseits die Frage nach der Reduzierung von „Mode-Abfall“ aber natürlich auch der Preis eine Rolle. Für circa 50 Euro könnte ich gewiss nicht vier, sechs oder acht Kleidungsstücke im Monat kaufen. Die Produkte waren zudem auch noch gut verarbeitet und detailreich. Qualitäts- und zustandstechnisch jedenfalls akzeptabel. Auf einem Lieferschein sieht man auch den Warenwert der Mode sowie einen vergünstigten Mitgliederpreis, wenn man es behalten möchte.

Die Kleider lagen im Wert zwischen 40 Euro (Sommerkleidchen) und 200 Euro (Abendkleid), also definitiv große Unterschiede. Die Frage ist nun allerdings, ob eine Umweltbelastung mit zwei bis drei Paketen, die monatlich hin und her gesendet werden, nicht vergleichbar mit dem Kauf von Kleidern ist? Online wird behauptet, es sei umweltschonender. Die Statistiken hierzu müsste ich an dieser Stelle erfinden, da ich dazu keine konkreten ausfindig machen konnte. Ich denke jedoch, dass das grüne Gewissen nicht ganz unbelastet bleibt, es jedoch besser ist, als Billigmode bei Primark & Co. zu kaufen.

Alles in allem finde ich das Konzept der Kleiderbox spannend, besonders für spezielle Anlässe. Mittlerweile habe ich mein Abo wieder gekündigt, weil ich mich dann doch nicht genug für Kleidung interessiere, um die Boxen immer wieder zu packen und zurückzusenden. Ich schließe aber nicht aus, dass ich es in der Zukunft mal wieder machen würde. Bei meiner Online-Recherche für den Artikel musste ich schließe feststellen, dass manche Anbieter, bei denen ich Anfang des Jahres noch gestöbert hatte, mittlerweile ihren Service eingestellt haben. Kleiderei aus Hamburg oder Temporary Wardrobe zum Beispiel haben ihre Online-Shops mittlerweile geschlossen. Kleider-Mietservice, die ich allerdings super sinnvoll finde, sind zum Beispiel Kilenda oder Tchibo Share für Kinderspielzeug und Kleidung. In diesem Bereich ist bestimmt auch der Effekt auf die Umwelt noch ausgeprägter.

Text & Fotos: Verena Franz

Kalte Liebe rostet nicht.

3-STERNE-ALL-INCLUSIVE AUF MALLE WAR GESTERN:

Wer heutzutage gediegen urlauben möchte, der campt wieder. Ein besonders entdeckenswertes Kleinod für Erholungssuchende mit mobilem Zuhause liegt direkt vor unserer Haustür. Vollbepackt mit Vorurteilen von Plastiktischdecken, Gartenzwergen und Co. haben wir ihm einen Besuch abgestattet – und wurden in vielerlei Hinsicht überrascht …

Elf Uhr mittags an einem Sommertag in Heidingsfeld.

Etwa zehn Kilometer südlich von Würzburgs Altstadt eröffnet sich vor uns das Tor zu einer Parallelwelt. Direkt am Main gelegen befindet sich hier inmitten von Wiesen und Feldern ein Campingplatz mit dem klangvollen Namen „Kalte Quelle“, auf dem seit über einem halben Jahrhundert Gäste aus aller Welt zeitweise oder dauerhaft ihr Lager aufschlagen. Wobei „Lager“ in den meisten Fällen freilich einem Understatement gleichkommt – dazu aber später mehr.

Die ersten, die uns in dieser Welt begegnen, sind ein Haufen nicht zu überhörender Niederländer, die es sich vor ihren zwei vollintegrierten Reisemobilen mit Kaffee, Schnittchen und einem Kartenspiel gemütlich gemacht haben. Vollintegriert – das hat man uns kurz darauf erklärt – sagt in diesem Fall aber weniger über das vielzitierte Gemeinschaftsgefühl der Camping-Community aus als über das Wohnmobil selbst: Die Fahrkabine ist hier in das Fahrzeug eingebaut. Und so gilt nach einem kurzen „Goedemorgen“ daher auch wieder alle Aufmerksamkeit dem Skat-Spiel, das sich vermutlich noch ein paar weitere Runden erstrecken wird. Zeit ist hier nicht das Problem; hat man erst mal seinen Wagen geparkt, wird der Müßiggang schließlich obligatorisch – sonst hätte man ja auch gleich im Pulk nach Ischia reisen und dort emsiges Sightseeing betreiben können. Wer campt, will aber genau das in der Regel nicht: Ein fester Platz soll es sein; ein Ort, an dem noch alles in Ordnung ist, den man nicht erst erschließen oder erkunden muss. Ein „home away from home“ eben – wobei sich der klassischer Camper vermutlich nicht derart gestelzt ausdrücken würde.

Außen hui, innen …?

Doch was für ein Typ Mensch ist das eigentlich, der klassische Camper? Bislang läuft der Betrieb in Heidingsfeld noch recht ruhig, sodass uns allenfalls hier und da mal ein paar verhuschte Gestalten begegnen, die sich aber auch sogleich wieder in die sichere Kühle ihrer klimatisierten Wohnwagen flüchten – Morgenmenschen scheint es hier bei der Kalten Quelle schon mal nicht allzu viele zu geben. Während man vom Platz der Dauercamper gelegentlich wachsames Hundegebell vernehmen kann, machen sich die dazugehörigen Herrchen und Frauchen bislang leider rar. Auch gut – dann bleibt uns bis zur nachmittäglichen Rushhour noch ein wenig Zeit, das Gelände ungestört zu erkunden. Und so versuchen wir, uns im verwinkelten Gewirr aus Wohnwägen, Kompakt-Campern und VW-Bussen ein Bild von deren Besitzern zu machen. Was sofort auffällt: Neben den von uns prophezeiten Gartenzwergen (mindestens zehn), Plastiktischdecken auf Plastiktischchen (mindestens 25) und sorgsam angelegten Mini-Vorgärten (mindestens überall) finden sich hier erstaunlich viele Luxus-Liner, die sich wie amerikanische Vorstadt-Häuschen baugleich und dutzendfach in der mainnahen Pole-Position des Platzes aneinanderreihen. Im Kontrast wirken die erstaunlich wenigen Mini-Caravans beinahe ein wenig verloren auf der großzügigen Grünfläche, die sich vom Ufer weit bis zu den angrenzenden Feldern ausdehnt. Während die kleineren Wohnmobile – je nach äußerem Zustand – Assoziationen irgendwo zwischen der Kulisse einer True-Crime-Doku und der Erfüllung eines langgehegten 68er-Aussteigertraums wecken, kommt man nicht umhin, den Bewohnern der Deluxe-Wagen für ihre akribische Hingabe bei deren Pflege und Ausstattung einen gewissen Respekt zu zollen.

Urlaub am anderen Ufer

Die Gelegenheit dazu folgt jedenfalls gleich auf dem Fuße: Nachdem wir es schon fast aufgegeben hatten, steht er uns plötzlich mit Putzeimer und Schwämmchen gegenüber – unser erster echter Camper. Wolfgang heißt er, ist Mitte 60 und seit nunmehr 30 Jahren treuer Besucher der Kalten Quelle. Seit mehr als zehn Jahren steht sein geliebtes Wohnmobil dauerhaft in Heidingsfeld, von April bis Oktober ist der gebürtige Weimarer täglich selbst hier. Dass die Gattin das Hobby des Neurentners nicht immer teilt, stellt für ihn kein Problem dar: „Wenn meine Familie Sehnsucht nach mir hat, weiß sie ja, wo ich bin.“ Außerdem sei die eigene Wohnung am Heuchelhof Luftlinie nur ein paar hundert Meter entfernt – nah genug also, um mal schnell zur Stippvisite nach Hause zu fahren. „Wobei ich trotzdem fast nur hier bin“, verrät Wolfgang augenzwinkernd. Doch was hat der Campingplatz, das die feste Behausung nicht hat? Auch wenn das Wohnmobil mit Bootsanhänger, Dachfenster und Satellitenschüssel nicht nur auf den ersten Blick einladend wirkt, können wir schwer nachvollziehen, wie man ein halbes Jahr knappe zwölf Quadratmeter einer geräumigen Dreizimmerwohnung vorziehen mag.

Darauf angesprochen wird Wolfgangs Grinsen nur breiter: „Kommt mal rum, ich zeig euch was.“ Also tun wir wie geheißen und folgen dem sympathisch sächselnden Mann im weißen Achselshirt hinter seinen Wohnwagen. Und was sollen wir sagen: Der Anblick, der sich uns dort bietet, ist – wir müssen es zugeben – schlichtweg atemberaubend. Direkt am Main, wie es direkter nicht geht, hat sich Wolfgang ein kleines grünes Idyll geschaffen, in dem wir es uns am liebsten selbst gleich gemütlich machen möchten. Während wir schon versucht sind, uns unter das kühle Nass der eigens gebauten Außendusche zu flüchten, um anschließend mit ein paar Bierchen aus dem Minikühlschrank in der baldachingeschützten Sitzecke zu versacken, fällt uns gerade so noch ein, weshalb wir hier sind: Camper kennenlernen, Camper interviewen, Camper fotografieren – nicht selbst zu jenen zu mutieren. Soweit zumindest der Plan …

Zusammen ist man weniger allein

Nun gut, dann fragen wir Wolfgang mal, wie die anderen Camper, die hier wohnen, so drauf sind. Als wir unseren Rundgang über den Platz gemeinsam fortsetzen, erfahren wir, dass direkt nebenan ein Brüdergespann wohnt, das seit einigen Jahren für die Bundeswehr im Einsatz ist. Stimmt, die mehr oder minder dezente Deutschlandflagge im Vorgarten war uns vorhin schon aufgefallen … Ein weiterer Dauerpendler lebt wiederum im Caravan schräg gegenüber: „Der ist aber von Montag bis Donnerstag auf Montage im Erzgebirge.“ Dann sind bei der Kalten Quelle Camper mit Zweitwohnsitz in der Mehrzahl? Wolfgang schüttelt den Kopf: „Die meisten der Dauercamper leben fest hier.“ Da wäre beispielsweise die ältere Dame um die achtzig, die sich – Gentrifizierung sei Dank – ihre alte Wohnung nach der Sanierung nicht mehr leisten konnte; das Studentenpärchen, das zum Semesterbeginn keine Bleibe mehr finden konnte, oder aber der frisch geschiedene Lehrer, der sich nach dem Auszug aus dem gemeinsamen Haus erstmal neu orientieren muss.

Doch was sich im ersten Moment nach Notlösung anhört, wird nach kurzer Zeit oftmals schnell zum Plan A, wie Wolfgang erklärt: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Hilfsbereitschaft unter den Bewohnern sind einfach unschlagbar.“ Bestes Beispiel: Das Jahrhunderthochwasser 2013. Nachdem es vor allem die vorderen Reihen böse erwischt hatte, kamen binnen kürzester Zeit Dauer- wie Urlaubsgäste zusammen und evakuierten den Platz bis aufs letzte Wohnmobil; und auch die Gemeinschaftsräume wurden in tagelangem Teamwork wieder vollständig auf Vordermann gebracht. Wenn Wolfgang sich erinnert, wird er noch heute rührselig: „So einen Zusammenhalt sieht man wirklich nicht oft, das ist schon was Besonderes.“

Operation: Platz-Reife

Mittlerweile hat sich auch Stefan, der Besitzer der Kalten Quelle, zu uns gesellt und zeigt stolz das Herzstück seines Campingplatzes: die Gaststätte mit angrenzendem Kiosk. Von der Instandhaltung des Platzes über die Bewirtung bis hin zur Verwaltung – alles, was dort im täglichen Betrieb anfällt, ist strikte Chefsache. So auch die Entscheidung, wer bei der Kalten Quelle campen darf: „Tatsächlich habe ich auch schon einige potenzielle Gäste weggeschickt.“ Wer den Eindruck macht, ein Mietnomade, ein Schmierfink oder ein Unruhestifter zu sein, wird schlichtweg vom Platz eskortiert, erklärt uns Stefan: „Die können wir hier einfach nicht gebrauchen, so ein Verhalten würde nur unseren Frieden stören.“ Hier ist sie wieder, die herrliche Ordnung einer kleinen Parallelwelt, die auf Campingplätzen wie diesem auch in den unruhigsten Zeiten unberührbar scheint. Da schaut man dann auch über die doch recht derbe Inneneinrichtung hinweg, die dem Gastraum den leicht trashigen Touch eines Ulrich-Seidl-Films verleiht

Neue Nostalgie nach alten Werten

Und überhaupt: So ein bisschen Oldschool-Trash hat ja auch etwas Heimeliges an sich, oder? Sogleich fühlt man sich ähnlich gut aufgehoben wie während eines Besuchs bei den Großeltern, wo man sich durch liebevoll angesammelten Nippes wühlt, der seine besten Zeiten zwar längst hinter sich hat, einem jedoch zuverlässig jedes Mal aufs Neue das vertraute Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt. Denn seien wir mal ehrlich: Egal, was auch passiert – die Schrankwand in Eiche Rustikal wird auch noch da sein, wenn der Rest der Welt in Flammen steht. Und so bekommen wir langsam eine Ahnung, was des Deutschen liebste Urlaubsform für ihre Anhänger ausmacht, denn: Beim Campen geht es nicht um Luxus oder Style. Stattdessen zelebriert man ganz unverhohlen die eigene Autonomie, während man sich zugleich jederzeit im unausgesprochenen Miteinander der Camping-Community sicher wähnen darf – jeder für sich und alle für jeden eben. Vielleicht war das ja doch nicht unser letzter Abstecher zur Kalten Quelle? Allen Hipstern mit Hang zur Selbstinszenierung sei die Location übrigens ebenfalls wärmstens ans Herz gelegt – authentischer lassen sich eure Adiletten, Bauchtaschen und Oberlippenschnauzer kaum woanders in Szene setzen …

Text: Anna-Lucia Mensing; Fotos: Nico Manger

Es ist ein Heimatlied

Heimat ist ein ziemlich schönes Wort – und leider zugleich ein ziemlich furchtbares.  Populistisch aufgeladen UND vielfach miss-braucht, fällt es schwer, diesen Begriff heute vollkommen wertfrei zu verwenden. Heimat besitzt (nicht erst in unserer Zeit) eine zutiefst politische Bedeutung. Auf der Suche nach einer Definition ist aber vielleicht gerade die zweite Dimension von Heimat entscheidend: nämlich die persönliche.

Heimat, das ist für mich der Ort, an dem ich geboren und aufgewachsen bin. Gute 40 Kilometer entfernt von Würzburg, im nördlichen Baden-Württemberg. Eine Kleinstadt, 3.500 Einwohner, zwei Tankstellen, ein Discounter, Metzger, Grundschule, Dorfdoktor, die obligatorische, natürlich erfolglose Bürgerinitiative, die seit gefühlten 150 Jahren für eine Umgehungsstraße kämpft – alles in allem also nichts Besonders. Aber eben – im Gegensatz zu Würzburg, wo ich seit über zehn Jahren lebe – meine Heimat.

Wenn ich an meinen Heimatort denke, dann denke ich zuerst an die Fleischküchle meiner Mutter. Natürlich die besten der Welt. Ich denke an einen Samstagmorgen, an dem aus unserer Küche der Geruch von angebratenem Fleisch in mein Zimmer steigt, und an die Geräusche, die einen Stock tiefer aus der Werkstatt meines Vaters schallen – durchmischt von heftigem Gefluche. Zuhause muss eben immer irgendetwas repariert werden. Und immer klappt dabei irgendetwas nicht. Soviel ist sicher. Überhaupt ist Heimat in diesen Momenten, die sich in meiner Erinnerung über Jahrzehnte hinwegziehen, vor allem Sicherheit. Das Gefühl, sich um nichts sorgen zu müssen, weil jedes winzige Detail so ist, wie es immer schon war – und auch für immer so bleiben wird.Doch genau an dieser Stelle tappen viele Menschen – mich eingeschlossen – in die Falle. Denn wenn ich heute durch meinen Heimatort schlendere, entlang der Hauptstraße, wo sich die geschlossenen Geschäfte wie glanzlose Perlen an einer Kette aneinanderreihen, über die pittoreske Brücke am Fluss mit ihren nur wenig pittoresken Graffitis (mein jugendliches Ich ist unschuldig!) bis hin zu den leuchtenden Rapsfeldern, die aufgrund ihrer intensiven Bewirtschaftung seit einigen Jahren bei starken Regenfällen für regelmäßige Schlammlawinen sorgen, dann muss ich mir offen und ehrlich eingestehen: Meine Heimat bleibt alles andere als gleich. Sie verändert sich unentwegt – und hat sich immer schon verändert.

Ein Großteil dieser Veränderungen sind negativ. Wie in vielen anderen vergleichbaren Ortschaften hat auch bei uns der demografische Wandel mit voller Wucht zugeschlagen, ebenso wie der Niedergang der Vereine oder die Erosion der gesellschaftlichen Infrastruktur. Es mangelt an Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten, die letzten verbliebenen Gaststätten siechen dahin, seit jüngstem gibt es im Altort nicht mal mehr eine Bäckerei, es bleibt nur der Weg zum Discounter auf der ehemals grünen Wiese am Stadtrand. Ja, sogar die Fleischküchle meiner Mutter sind seltener geworden, da sie inzwischen aufgrund diverser Krankheiten in die Pflegebedürftigkeit gerutscht ist. Mein Vater flucht zwar wie eh und je, aber das ist dann auch ziemlich die einzige Konstante.

Und hier soll also meine Heimat sein?
Das Gute an einem persönlichen Heimatbegriff ist seine enorme Widerstandfähigkeit, seine Robustheit. Denn obwohl all diese nachteiligen Entwicklungen in meinem Dorf tagtäglich stattfinden, gibt es natürlich auch die andere Seite der Medaille. Der nette (eingewanderte!) Nachbar, der regelmäßig nach meinen Eltern sieht und meinem Vater zur Hand geht, der ehemalige Schulkollege, der den alten Hühnerstall auf der anderen Straßenseite gekauft und dort ein schmuckes Häuschen hingestellt hat, ohne neue Fläche zu versiegeln, das Ehepaar unten am Ecke, das mit großem Eifer und Investitionen zumindest am Wochenende ein kleines, gut besuchtes Kuchen-Café betreibt.

Wenn ich also heute an meine Heimat denke, dann spüre ich in meinem Herzen vor allem eines: ein tiefes, allumfassendes Gefühl von Vertrautheit. Vertrautheit im Angesicht stetiger Veränderung. Das ist mein persönliches, über die letzten Jahre gereiftes Verständnis von Heimat. Ein Verständnis, das mir dabei hilft, all jene leidigen populistischen Diskussionen um Heimat in unserer Zeit etwas gelassener zu nehmen.

Heimat bleibt Heimat, solange man sie bei sich trägt.

Text: Thomas Brandt