Jahr: 2019

Wenig Schein, viel Sein

Über menschliche Größe in einer kleinen Kantine Art. 147 GG hält unmissverständlich fest: „Der deutsche Morgen ist von jeglicher Fröhlichkeit freizuhalten.“ Oh würde nur jeder Artikel des Grundgesetzes so eisern befolgt! Sogar jene wenigen verirrten Subjekte, die ab und an versehentlich mit dem rechten Fuß aufstehen, können auf die Hilfe ihrer regeltreuen Mitbürger zählen; schließlich gewährleisten diese mit deutscher Zuverlässigkeit, dass sich auf dem Arbeitsweg selbst der kleinste Anflug guter Laune schleunigst wieder in Luft auflöst. Die Bandbreite reicht dabei von der Strategie „Weihwasserkessel 4.0“ (in Bus oder Bahn mit vorgeschobenem Unterkiefer möglichst dämlich auf ein Smartphone glotzen) bis hin zum ho(h)lis-tischen Ansatz (freundliche Blicke mit dermaßen hohlen Gesichtsausdrücken quittieren, dass selbst ein scheinbar hübsches Antlitz binnen Sekunden die Faszination eines silbernen Golf VI Trendline ausstrahlt. Auf Stahlfelgen!). Sie müssten es nicht … So weit, so schlecht. Jedenfalls lag ein ebensolcher Morgen gerade wieder hinter mir, als ich mittags erstmalig die Kantine des Finanzamts Würzburg in der Ludwigstraße betrat. Übellaunig bzw. überdrüssig des ewig gleichen Pizzalasagneveggiehummusstampfdönerasianudelreiseinerleis und frei nach dem Motto: ‚Jetz is‘ a scho …

Fühlt sich richtig gut an!

Wie sich unsere neuen Nachbarn von HOPERY für unsere engsten Verwandten engagieren „Die Kaufentscheidung jedes einzelnen Menschen hat die Kraft, die Welt zu verändern“, davon ist Benjamin Böhme fest überzeugt. Und so entschied sich der Würzburger schließlich ganz bewusst dafür, die kleine Naturkosmetik-Manufaktur seiner Eltern in unserer lieben Nachbarschaft weiterzuführen – wohl wissend, welch harter Kampf es ist, sich gegen die Big Player der Branche zu behaupten. Zusammen mit seinem Team des 2018 gegründeten Social Start-ups HOPERY entwickelt Benjamin die traditionellen Rezepte seiner Mutter weiter und verarbeitet für die hochwertigen veganen Produkte ausschließlich nachhaltige Inhaltsstoffe. Tierversuche sind dabei ebenso tabu wie das (nicht nur) in vielen Kosmetika verarbeitete Palmöl; schließlich ist die Palmölindustrie einer der Hauptverursacher der Zerstörung der Regenwälder – und damit auch der Heimat von Orang Utans. Um diesen nicht nur indirekt, sondern auch ganz konkret eine Chance zu geben, gehen pro verkauftem HOPERY-Produkt 20 Cent an Orangutan Outreach, ein Hilfsprojekt zur Adoption verwaister Orang-Utan-Babys; zusätzlich spendet Hopery zehn Prozent des Gewinns an das Projekt, das bereits mehrere unserer engsten Verwandten vor dem …

Nico Manger

Nico Manger ist Kommunikations-Designer und hat sich LIEBE NACHBARN ausgedacht. Er gestaltet das Magazin, schreibt hier und da mal einen kleinen Text und macht hier und da mal eine Fotoserie. Im Sommer veranstaltet er diverse Flimmern-Openair-Kinos in der Stadt. ALLE ARTIKEL VON NICO MANGER

Thomas Brandt

Wenn Thomas Brandt ausnahmsweise mal nicht redet, schreibt er: Für LIEBE NACHBARN – und seinen Lebensunterhalt. Außerdem ist er Würzburger Rekordchampion im Poetry-Slammen auf Lebenszeit und muss dringend irgendwann nach Schottland auswandern. ALLE ARTIKEL VON THOMAS

Christian Götz

Christian Götz ist Redakteur bei LIEBE NACHBARN und von Beruf – Überraschung: Redakteur! Der Exil-Niederbayer verreist ungern, liest komische alte Bücher, fährt große alte Autos – und grantelt immer so ein bisschen umeinander. Schön. ALLE ARTIKEL VON CHRISTIAN GÖTZ

Anna-Lucia Mensing

Anna-Lucia Mensing hat Italienisch, Spanisch und Kriminologie studiert, weshalb sie in Telenovelas auch locker die Ermittlerin geben könnte. Als freie Texterin geht sie aber ebenso gerne für LIEBE NACHBARN den Dingen auf den Grund. ALLE TEXT VON ANNA-LUCIA

Tödlich langweilig oder zum Sterben gut?

Über das Für und Wider des Fernsehkrimis streiten unsere Autoren Thomas Brandt und Christian Götz Warum wir keine Krimis im Fernsehen brauchen; ein polemisch-philosophischer Debattenbeitrag. Ein alter Kommissar blickt auf das Meer. Alles ist grau. Das Meer. Der Himmel. Der alte Kommissar. Ich schalte um. Ein etwas jüngerer Kommissar untersucht eine Leiche. Oder das, was davon übrig ist. Der Mörder hat sein Opfer mit Trüffelöl eingerieben und es von Wildschweinen zerfressen lassen. Ich breche kurz in meinen bereitgestellten Eimer – und schalte wieder um. Ein glatzköpfiger Kommissar mit gezwirbeltem Schnauzbart fragt einen Verdächtigen, wo dieser zur fraglichen Taaatzzzz … ich bin eingeschlafen, habe es aber währenddessen noch geschafft, umzuschalten. Ein depressiver Kommissar fährt auf einem Kahn durch den Spreewald. „Ah, das ist der tolle Spreewaldkrimi, von dem mein Bekannter mir ständig erzählt, der muss ziemlich spannend sein.“ Ich schlafe wieder ein und träume von Gurken. Als sich meine müden Augen wieder öffnen, ermittelt eine weibliche Kommissarin in einer Sache, in der es um VergewaltigungswirtschaftserbfolgeeifersuchtterrorismuswerhatmeinSchokopuddinggegessen geht. Ich hole mir einen Schokopudding aus dem Kühlschrank, rühre ein …

Bitte einen… Krapfen

                                                                        1.  Müllerbäck – „Ja gerne, mit Kristall- oder Puderzucker?“ / „Puderzucker bitte.“ / „Das macht dann 1,15 Euro.“ 2.  Kiliansbäck – „So, bitteschön, was darf’s sein? Mit Zucker oder Puderzucker?“/ „Puderzucker bitte.“ / „1,15 Euro.“ 3.  Rösner – „Einen Krapfen?“ / „Ja.“ / „Krapfen?“ / „JA!!!“ / „Das macht dann bitte 1,15 Euro.“ 4.  Schiffer – Nickt (kurzes Schweigen) „Puder oder Kristall?“ / „Puder bitte.“ / „Das macht dann 1,15 Euro.“ 5.  denn’s Biomarkt – „Dinkel oder einen Normalen?“ / „Normal bitte.“ / „Okay, 1,40 Euro.“ 6.  Juliusspital Bäckerei –  „Was darf’s sein?“ / „Bitte einen Krapfen.“ /  „Gerne, das war’s?“ / „Ja.“ / „1,20 Euro bitte.“ 7.  Café Michel – „Zum Mitnehmen oder Hieressen?“ / „Zum Mitnehmen.“ /  „Ich habe Schoko, Vanille und einen Normalen.“ /„Normal bitte.“ / „Das macht dann 1 Euro.“ 8.  Brandstetter – „Puder oder …

Appetizer- Das grüne Themenkonzert

Nachhaltigkeit im Alltag – was können wir aktiv ändern? Welche Möglichkeiten gibt es im Raum Würzburg? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neu gegründete „Appetizer“-Themenkonzertreihe. Häppchenweise verpackt, widmet sich jedes Konzert in einer spannenden Kombination aus Vorträgen, Diskussionen und Musikbeiträgen einem neuen Teilgebiet.    „Übers Fahrradfahren“ – Lesung mit Musik und Regionalem. Für das erste Themenkonzert konnte Theresa Hauff gewonnen werden, die mit ihrer Lesung „(K)ein Velodram Europa“ unter anderem bereits in Hamburg, Dresden und Leipzig begeisterte. Theresa erzählt über Gedanken und Erfahrungen ihrer ersten Fahrradreise: Wie sie dazu kam, warum es sich lohnen kann, sich für einen schmerzenden Hintern und Gegenwind im Gesicht zu entscheiden – und weshalb sie es jederzeit wieder tun würde. Auf unterhaltsame Art nimmt sie uns mit auf ihrem Gepäckträger und zeigt Bilder eines Europas, das von jedem von uns mit dem Fahrrad erreicht werden kann. (Weitere Informationen unter: www.velodram.wordpress.com) Ergänzt werden ihre Gedanken durch musikalische Beiträge von „Cellotta“. Zufällig aus einer Uni-Freundschaft entstanden, spielt das Würzburger Trio eigene Songs in feinfühligen Arrangements für Cello, Geige, Gitarre und dreistimmigem Gesang. …

LIEBE Mainviertel NACHBARN

„Bring Kaffeedurst mit!“, sagt Julie vom Co-Op, als wir den Termin für unser Interview vereinbaren. Krieg ich hin, denke ich. Und freue mich auf meinen kleinen Erkundungstrip durchs historische Würzburger Mainviertel, wo ich auch Eva Hergenröther in ihrer Goldschmiedewerkstatt  „IM SCHMELZTIEGEL“ treffe … „Die Würzburger nannten ihr Meeviertel ja immer gern ihr Fischerviertel – der Überlieferung nach soll es jetzt schon über tausend Jahre her sein, dass hier im Mainviertel die Fischerzunft gegründet wurde.“ „Ach echt?“, staune ich – und bekomme wieder einmal ein schlechtes Gewissen angesichts der Wissenslücken über meine eigene Heimatstadt. Genauer gesagt über meine eigene Nachbarschaft. Ich sollte mir echt mal ein Buch darüber besorgen, überlege ich – meine spontane Lösungsstrategie für so ziemlich alles. Gleich heute im nächsten Buchladen sollte ich das machen; werde es aber vermutlich nicht tun, um ganz ehrlich zu sein. Jedenfalls nicht heute. Heute steht erst einmal Interviewen auf dem Plan – und zwar mit Eva Hergenröther und Julie Barthel, die beide 2018 ihren eigenen Laden im schönen Mainviertel eröffnet haben. „Die Fischerei hat das Mainviertel geprägt; viele …